Minimalistisches Badezimmer

…oder sollte ich sagen „müllfreies Badezimmer“? Minimalismus und Müllfreiheit sind zwei Ziele, die ich verfolge. Darum könnte dieser Artikel so oder so heißen, beides wäre wahr. Auf jeden Fall zeige ich euch heute mein Badezimmer :).

In den meisten Badezimmern steht ein Fläschchen neben dem anderen, viele Dinge, die man nur selten benutzt, Pröbchen, Geschenke mit Badezimmer-Wellnesscharakter und alles für den täglichen Bedarf, am besten auch auf Vorrat.

Wie ihr euch denken könnt, wurde das mir und meinem Minimalismus bald zu viel.

Also habe ich analysiert, was ich wirklich in meiner morgendlichen und abendlichen Badroutine benutze, was unnötig ist und was Luxus.

1. Duschen und Haare waschen. Schon ziemlich bald habe ich bemerkt, dass Spülung absolut unnötig ist. Ein mildes Shampoo, dass die Haare nicht unnötig angreift, reift völlig. Außerdem bin ich von Duschgel auf feste Seife umgestiegen, was handlicher, müllfreier und preiswerter ist. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich mir jetzt aus jedem Urlaub selbst eine Seife als Souvenir mitbringen kann, sodass ich jeden Morgen an meine letzte Reise erinnert werde. Der Müllfreiheit wegen bin ich auch auf festes Haarshampoo umgestiegen. Die haben nur eine dünne Papierverpackung und ich kann sie hier vor Ort im Waschbär-Laden kaufen.
Für unterwegs packe ich die Seifen einfach in selbstgenähte Hüllen, die ich aus einem alten Handtuch gefertigt habe (in meinen blutigen Nähanfängerinnenzeiten). So kann ich die Seife nass gleich wieder einpacken und sie trocknet unterwegs.

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2. Zähne putzen. Wie ich vor ein paar Wochen geschrieben habe, putze ich meine Zähne seit neuestem mit Birkenzucker, was by the way super funktioniert. Den minzigen Geschmack vermisse ich überhaupt nicht und meine Zähne fühlen sich danach genau so sauber an wie früher. Mal sehen, was meine Zahnärztin dazu sagt. Seit neuestem habe ich eine Zahnbürste aus Bambus, die verrottbar ist. Leider kann man sie nur online kaufen. Diese Dinge gehören wohl eher in die Kategorie müllfrei, denn weniger Dinge als früher benutze ich nicht.

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3. Cremes sind meine Baustelle. Wie ihr seht, besitze ich noch drei verschiedene… Ich halte nichts davon, für jedes Körperteil eine eigene Creme zu benutzen, denn mal ganz ehrlich, was genau unterscheidet denn die Pfirsichhaut in unserem Gesicht von der am Allerwertesten? Genau, rein gar nichts. Einzige Ausnahme: Handcreme. Die hat meistens die Eigenschaft, schneller einzuziehen als andere Cremes, was durchaus Sinn macht, wenn man danach gleich wieder das Touchpad betouchen möchte. Leider sieht es bei mir im Bad zur Zeit gar nicht minimalistisch aus. Aber da arbeite ich dran. Der Müllfreiheit wegen werde ich demnächst außerdem Kokosöl für die Körperpflege ausprobieren.

4. Deo. Als Deo benutze ich seit einigen Jahren den Roller von CD. Ich werde aber demnächst mal dieses supereinfache Rezept für ein DIY-Deo ausprobieren.

5. Haare pflegen. Jetzt kommt der luxuriöse Teil. Ich besitze einen Kamm und zwei Haarbürsten. Nicht sehr minimalistisch, könnte man denken. Aber das ist mein Wellness und absolut essentiell ;). Den Kamm brauche ich für Haare im nassen Zustand, denn dann sind sie am empfindlichsten und wollen nicht gebürstet werden. Eine normale Bürste ist fürs Grobe und eine mit Wildschweinborsten fürs Feine. Die wurde mir mal von meiner Frisörin empfohlen, da sie anscheinend die Kopfhaut gut massiert und das Kopfhautfett gleichmäßig in den Haaren verteilt, sodass die gut gepflegt werden. Vor allem bändigt sie besser als jedes Gel Strähnen, die über Nacht der Schwerkraft nicht mehr gehorchen wollen. Mit diesen Bürsten gönne ich mir jeden Tag 100 Bürstenstriche.

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Das wars an Alltäglichem. Natürlich gibt es auch noch die Dinge, die man nur ab und zu braucht. Besonders bei diesen Dingen sollte man aufpassen, denn hier schafft es die Werbung sehr oft, eine_n zum Kauf zu verführen, obwohl man noch einen riesigen Vorrat zu Hause hat.

6. Schminkzeug. Obwohl ich nur noch hochwertige Produkte kaufe und auch nur noch ein kleines Täschchen voll Schminksachen besitze, ist es viel mehr, als ich je brauchen werde. Ich schminke mich sowieso nur zu besonderen Anlässen, darum wird mein Vorrat mich wahrscheinlich überleben.

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7. Parfüms. Damn you, Werbung. Die meisten Parfüms habe ich gekauft, weil die Werbung so gut war. Jep, das war der Grund und der war mir beim Kauf schon bewusst. Ich habe das Parfüm damals nicht mal probiert (!). Ich muss sagen, ich habe eine Faible für gute Werbung. Denn die meiste Werbung ist richtig schlecht gemacht und appelliert nur an irgendwelche ominösen Urinstinkte, die ich nicht zu besitzen scheine. Aber ich liebe zum Beispiel Apple-Werbung… Doch ich schweife ab. Man sollte das gute Gefühl nach einem guten Werbekurzfilm einfach nur genießen. Und nicht gleich in den nächsten Laden rennen und sich ein Armani-Parfüm kaufen. Scandalous.

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Dinge wie Nagellack, Sonnencreme, Fön, Rasierer und Nagelpflegezeug haben bei mir auch noch einen Platz in meinem Badschränkchen. Bei einigen könnte ich bestimt noch ausmisten oder mehr Müll vermeiden.

Aber mal ganz ehrlich: Die Welt braucht Nagellack. Wer will schon in einer Welt ohne Farben und Glitzer leben?

Und was ist für euch so essentiell im Bad?

Raus aus der Komfortzone!

Die letzten zwei Wochen verbrachte ich als Kursleiterin auf einer Nachhaltigkeitsakademie für besonders engagierte Schüler_innen in Papenburg. Hier durfte ich viele inspirierende Menschen kennen lernen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen und bereit sind, den ersten Schritt zu machen und ihren Beitrag zu unserer Gesellschaft beizusteuern.

So ein Mensch möchte ich auch gern sein.

In unserer Gesellschaft gibt es viele Dinge, die mir nicht gefallen: Die Maßlosigkeit, die sich in Finanzspekulationen, dem Wachstumsdogma, der Umweltzerstörung zeigt. Die Ausgrenzung und Einschränkung von Menschen, die einer sogenannten Norm nicht gerecht werden. Rassismus und insbesondere Sexismus sind hier nur zwei Stichworte. Ich könnte der Liste noch so einige Punkte hinzufügen.

Gegen all diese Missstände gibt es Bewegungen. Nachhaltigkeit. Postwachstum. Feminismus.

Ich kenne ihre Programme rauf und runter. Aber meine Meinung klar und deutlich zu sagen, Aufmerksamkeit zu generieren, Angebote zu machen, dafür war ich oft zu feige.

 

„Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun!“ Edmund Burke

 

Dieser Blog ist ein erster Versuch, mit den Dingen, die ich für gut und richtig halte, an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich möchte diese Dinge zur Diskussion stellen und meine Meinung vertreten. Ich möchte Dinge zeigen, die ich herstelle. Ich möchte meine Sicht auf die Welt verbreiten, denn sie ist reflektiert und ich würde mich freuen, auf Gleichgesinnte zu treffen.

Ich habe viel gelernt in den letzten zwei Wochen. Schon der Schritt, mich als Kursleiterin zu bewerben, mir die Zeit zu nehmen, mich über mehrere Monate vorzubereiten und diesen Kurs durchzuführen, war eine bewusste Entscheidung. Ich musste dafür meine Komfortzone verlassen. Ich hatte vorher nie als Jugendleiterin gearbeitet. Ich hatte überhaupt noch nie Leute geführt. Noch nie unterrichtet.

Um solche Situationen hätte ich früher einen großen Bogen gemacht. Denn: Ich hätte ja scheitern können.

Langsam aber stetig setzt sich bei mir aber die Einsicht durch, dass man nur durch die unangenehmen, unsicheren Erfahrungen wirklich dazulernt.

Im Scheitern steckt ein unglaubliches Lernpotenzial.

Man muss es einfach umarmen.

Und in den wenigsten Fällen scheitert man mit Pauken und Trompeten.

Viel öfters hat man einen Erfolg mit kleinen Schönheitsfehlern.

Unser Feedback von den Teilnehmenden war überwältigend positiv. Klar, die vielen neuen Situationen in einer fremden Gruppe waren sehr anstrengend. Viele Dinge werden wir beim zweiten Mal anders angehen.

Aber die Lernkurve war unglaublich steil.

Oft muss man sich einfach selbst ins kalte Wasser werfen, um zu sehen, wie gut man eigentlich schwimmen kann.

Man muss seine Meinung zur Debatte stellen, neue Dinge tun, den Menschen davon erzählen.

Auf diese Weise macht man sich angreifbar. Aber auch nur so kann man andere Menschen inspirieren.

 

Packen für 15 Tage Papenburg

Da ich das Packen erst spät am letzten Abend geschafft habe, gibt’s leider nur ein Bild vom halb ausgepackten Koffer.

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Seit langem verbringe ich mal wieder Zeit im Norden Deutschlands. Als Kursleiterin auf einer Nachhaltigkeitsakademie für begabte Schüler_innen bin ich hier zwei Wochen voll eingespannt.

Wie bei meinem letzten Aufenthalt hier oben habe ich mich mit der Klamottenauswahl kräftig verschätzt. Das Wetter ist aber auch einfach grundlegend anders als bei uns im Süden.

Jeden Tag wechselt das Wetter sieben Mal von Regen zu Sonnenschein und wieder zurück. Durch den Wind werden die Wolken so schnell weitergepustet, dass es einfach keinen tagelangen grauen Himmel geben kann. Zumindest nicht im Sommer, wenn ich hier bin.

Aber durch den ständigen Wind wird es auch nie wirklich für längere Zeit heiß. Also ist Zwiebellook angesagt.

Meine Sommerkleidung besteht normalerweise aus dünner langer oder halblanger Hose und Top. Hier oben fühle ich mich eher in langer Hose und T-Shirt plus Bluse angemessen angezogen.

Außerdem sind die Tage so vollgepackt und als Kursleiterin werde ich täglich solange mit Fragen gelöchert, bis ich in meinem eigenen Schweiß stehe. Also brauche ich statt eins eher drei Oberteile pro Tag…

Die erste Woche ist schon rum, mal sehen wie sich meine minimalistische Packweise die nächsten Tage bewährt. Bisher ging’s mit einmal Waschmaschine und ein paar Mal Handwäsche ganz gut :).

Hier nun die Liste:

1 3/4 –Hose
1 lange Hose
2 Röcke
2 Leggins
5 Tops
4 T-Shirts
2 Blusen
2 Jäckchen
10x Unterwäsche
8 Paar Socken
1 Bikini
1 Tuch als Badeunterlage
1 kleines Handtuch zum Baden
Bücher, Bücher, Bücher
Materialien zum Bau von Brombeersolarzellen

Bis auf die Badesachen ist nichts unnötiges dabei. Langsam nähert sich meine Packliste ihrem Optimum…

 

 

Pällbo Hockerbezug pimpen

Schon lange habe ich zu meinem IKEA Lack-Tisch den passgenauen Hocker, den Pällbo. Kubisch, praktisch, gut und immer zur Stelle, wenn man mal wieder mehr Leute als Stühle in der Wohnung hat. Doch der weiße Bezug hatte nach ein paar Parties eher ein Kuhfleckenmuster vom Cuba Libre und fettigen Chipsfingern. Gott sei Dank kann man weiß ja gut heiß waschen und bleichen. Denkste, der Bezug kommt zwei Kleidergrößen kleiner aus der Maschine und passt gerade so noch über das Gestell. Doch unten bleibt ein unschöner drei Zentimenter breiter Spalt. Nicht gerade, was ich mir vorgestellt hatte unter einem “waschbaren Bezug”.

Da die Flecken auch noch nicht komplett verschwunden waren, wurde der Bezug erst mal in knallorange eingefärbt. Die Farben von Simplicol sind wirklich spitzenmäßig, was färben in der Waschmaschine angeht. Einfach einmal mit Farbe und Salz bei 40°C waschen und danach nochmal mit Waschpulver denselben Waschgang fahren. Done.

Um das hässliche Holzgestell zu verstecken, habe ich aus farblich passendem Stoff eine Verlängerung genäht. Der übriggebliebene Stoff von der letzten Wendetasche bildet einen schönen Kontrast mit seinem blau-weißen Punktemuster. Davon könnt ihr euch auf dem Foto überzeugen.

Jetzt wird der Hocker nicht mehr unter dem Lack-Tisch versteckt, sondern ist ein Blickfang mitten im Wohnzimmer!

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Wie Minimalismus Zeit und Kreativität freisetzt

“Einszweidrei, im Sauseschritt // läuft die Zeit, wir laufen mit.” Wilhelm Busch

 

Ich bin ja nicht die erste, die darüber schreibt, dass der größte Gewinn eines minimalistischen Lebensstils mehr Zeit ist. Fast in jedem Artikel von Leo Babauta geht es unter anderem darum.

Annas Fazit aus 3×365 (ich habe ihren tollen Blog erst heute entdeckt. Skandal!) und mein Verrücktes DIY Wochenende, an dem ich das, das und das gemacht habe (Alles an einem Wochenende, gebt zu, das ist sensationell!), haben mich zum Nachdenken gebracht.

Irgendwie war es so einfach, all die Dinge an einem Wochenende zu machen. Hätte ich mir das vor ein paar Monaten vorgenommen, hätte ich das Riesenprojekt garantiert nicht mal angegangen. Dann hätte ich alles planen wollen, richten und garantiert wäre dann irgendein Grillabend oder Weinabend oder Kaffeekränzchen oder wasweißich dazwischengekommen. So läuft das nun mal, ihr wisst schon, ich hätte, könnte, wollte, wenn denn nur… Ach, der liebe Konjunktiv.

Als Minimalistin lasse ich diese Ausreden nicht mehr gelten. Es gibt nicht, „keine Zeit“, nur „zur Zeit keine Priorität“. Und das schafft so viel Freiraum.

Es gibt immer viel mehr zu tun als ich tun kann. Immer. Darum kann ich entweder gestresst sein. Oder zu 70 % aller Möglichkeiten sagen: Nein, das hat zur Zeit keine Priorität. Und den Rest ganz entspannt angehen. Es lohnt sich wirklich, einmal genau zu hinterfragen, wie man seine Zeit verbringt.

Fernsehen steht auf jeder Liste der Zeitfresser ganz oben, aber auch Grillfeste, Parties, etc., bei denen man „nur mal schnell ein Stündchen vorbeischaut“ treiben schnell mal den Stresspegel in die Höhe. Lohnt es sich wirklich, auf „ein schnelles Bier“ vorbeizukommen, nur um dann zur nächsten Verabredung abzuhauen? Natürlich wäre es bestimmt eine gute Party gewesen. Aber es gibt bestimmt einen Grund, warum man lieber wieder geht, um noch woanders dabei zu sein. Und mal ganz ehrlich, wäre die Party für die anderen schlechter gewesen, nur weil sie nicht auch mit dir kurz angestoßen hätten? Ich bezweifle es. Man kann eben nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Darum lieber für eine Party entscheiden und sich nächstes Wochenende wieder mit den Verschmähten treffen. Dann aber auf drei Bier.

Auch das Anhäufen und Verwalten von Besitz ist ein zeitintensives Hobby. Ich nenne es Hobby, weil die meisten ihren Überfluss verwalten. Es geht schon lange nicht mehr um ihre Lebensgrundlagen und auch das Level des angenehmen Luxus ist schon überschritten.

Ein minimalisierter Besitz hingegen bindet nicht nur weniger Aufmerksamkeit, er braucht auch weniger von meiner Zeit. Ich muss ihn nicht kaufen, nicht warten, nicht reparieren, nicht umstellen, nicht entsorgen. Es lohnt sich, all diese Dinge mitzubedenken, wenn man sich etwas Neues anschaffen möchte.

Denn gibt es nicht etwas, das ich viel lieber tun würde? Ein Hobby, dem ich eigentlich eine höhere Priorität zuweisen möchte? Um den jammernden Konjunktiv endlich mal rauszuschmeißen, den keine mehr hören kann?

Jede hat genau gleich viel Zeit pro Tag. Es ist eine Frage der Priorität, wie du sie verbringst. Und diese Wahl liegt allein bei dir.

Als ich am Freitag mit dem Brotbeutel angefangen habe, hatte ich nicht vor, ein ganzes Wochenende durchzunähen. Aber ich hatte mir die 70 % möglichen, aber nicht unglaublich geilen Aktivitäten gar nicht erst vorgenommen und siehe da, plötzlich überkommt mich die unbändige Lust, genau jetzt die gesamten Sofakissen neu zu beziehen.

Und ich habe ja Zeit.