Wie Minimalismus Zeit und Kreativität freisetzt

“Einszweidrei, im Sauseschritt // läuft die Zeit, wir laufen mit.” Wilhelm Busch

 

Ich bin ja nicht die erste, die darüber schreibt, dass der größte Gewinn eines minimalistischen Lebensstils mehr Zeit ist. Fast in jedem Artikel von Leo Babauta geht es unter anderem darum.

Annas Fazit aus 3×365 (ich habe ihren tollen Blog erst heute entdeckt. Skandal!) und mein Verrücktes DIY Wochenende, an dem ich das, das und das gemacht habe (Alles an einem Wochenende, gebt zu, das ist sensationell!), haben mich zum Nachdenken gebracht.

Irgendwie war es so einfach, all die Dinge an einem Wochenende zu machen. Hätte ich mir das vor ein paar Monaten vorgenommen, hätte ich das Riesenprojekt garantiert nicht mal angegangen. Dann hätte ich alles planen wollen, richten und garantiert wäre dann irgendein Grillabend oder Weinabend oder Kaffeekränzchen oder wasweißich dazwischengekommen. So läuft das nun mal, ihr wisst schon, ich hätte, könnte, wollte, wenn denn nur… Ach, der liebe Konjunktiv.

Als Minimalistin lasse ich diese Ausreden nicht mehr gelten. Es gibt nicht, „keine Zeit“, nur „zur Zeit keine Priorität“. Und das schafft so viel Freiraum.

Es gibt immer viel mehr zu tun als ich tun kann. Immer. Darum kann ich entweder gestresst sein. Oder zu 70 % aller Möglichkeiten sagen: Nein, das hat zur Zeit keine Priorität. Und den Rest ganz entspannt angehen. Es lohnt sich wirklich, einmal genau zu hinterfragen, wie man seine Zeit verbringt.

Fernsehen steht auf jeder Liste der Zeitfresser ganz oben, aber auch Grillfeste, Parties, etc., bei denen man „nur mal schnell ein Stündchen vorbeischaut“ treiben schnell mal den Stresspegel in die Höhe. Lohnt es sich wirklich, auf „ein schnelles Bier“ vorbeizukommen, nur um dann zur nächsten Verabredung abzuhauen? Natürlich wäre es bestimmt eine gute Party gewesen. Aber es gibt bestimmt einen Grund, warum man lieber wieder geht, um noch woanders dabei zu sein. Und mal ganz ehrlich, wäre die Party für die anderen schlechter gewesen, nur weil sie nicht auch mit dir kurz angestoßen hätten? Ich bezweifle es. Man kann eben nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Darum lieber für eine Party entscheiden und sich nächstes Wochenende wieder mit den Verschmähten treffen. Dann aber auf drei Bier.

Auch das Anhäufen und Verwalten von Besitz ist ein zeitintensives Hobby. Ich nenne es Hobby, weil die meisten ihren Überfluss verwalten. Es geht schon lange nicht mehr um ihre Lebensgrundlagen und auch das Level des angenehmen Luxus ist schon überschritten.

Ein minimalisierter Besitz hingegen bindet nicht nur weniger Aufmerksamkeit, er braucht auch weniger von meiner Zeit. Ich muss ihn nicht kaufen, nicht warten, nicht reparieren, nicht umstellen, nicht entsorgen. Es lohnt sich, all diese Dinge mitzubedenken, wenn man sich etwas Neues anschaffen möchte.

Denn gibt es nicht etwas, das ich viel lieber tun würde? Ein Hobby, dem ich eigentlich eine höhere Priorität zuweisen möchte? Um den jammernden Konjunktiv endlich mal rauszuschmeißen, den keine mehr hören kann?

Jede hat genau gleich viel Zeit pro Tag. Es ist eine Frage der Priorität, wie du sie verbringst. Und diese Wahl liegt allein bei dir.

Als ich am Freitag mit dem Brotbeutel angefangen habe, hatte ich nicht vor, ein ganzes Wochenende durchzunähen. Aber ich hatte mir die 70 % möglichen, aber nicht unglaublich geilen Aktivitäten gar nicht erst vorgenommen und siehe da, plötzlich überkommt mich die unbändige Lust, genau jetzt die gesamten Sofakissen neu zu beziehen.

Und ich habe ja Zeit.

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