Minimalistischer Abwasch

Ein Mönch bat Zhaozhou, ihn zu lehren.

Zhaozhou fragte ihn: „Hast du aufgegessen?“

Der Mönch antwortete: „Ja, das habe ich.“

„Dann geh und spüle deine Schüssel“, sagte Zhaozhou.

In diesem Moment war der Mönch erleuchtet.

 

Foto 14.09.14 16 01 35

Das ist ein Koan. Koans sind kleine Geschichten aus dem Zen-Buddhismus, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben, aber beim darüber meditieren helfen sollen, selbst die Erleuchtung zu erlangen.

Ich möchte das obige Koan hier nicht erklären, denn das geht per Definition schief, aber ich möchte es als Einstieg zum schnöden Alltagsthema Abwasch nutzen.

Alle von uns, die nicht jeden Tag essen gehen oder Take-away bestellen (shame on you, der ganze Müll!), müssen sich mit dem Thema Abwasch auseinandersetzen.

Die erste Entscheidung ist dann: mit oder ohne Spülmaschine? Wir haben keine und ich muss sagen, dass ich das viel lieber mag und auch gerne so beibehalten möchte.

Die Vorteile des Von-Hand-Abwaschs sind aus meiner Sicht ganz klar:

1. Kaum Zeitersparnis durch die Spülmaschine. Ein kleiner Teil muss sowieso immer per Hand abgewaschen werden und solange das Geschirr sofort abgewaschen wird, entfällt auch das ewige Schrubben. Mit Ein- und Ausräumen und Nachsortieren wegen eventuell nicht sauber gewordenem Geschirr geben sich die beiden Methoden kaum etwas.

2. Keine stinkende Spülmaschine. Ich habe noch keine Spülmaschine aufgemacht, die nicht unangenehm gerochen hat. Und extra nochmal die Maschine reinigen? Dann ist die Zeitersparnis wohl definitiv weg.

3. Kein Platzverbrauch für eine Spülmaschine. Ein Waschbecken hat jede Küche, also ein Ding weniger, das rumsteht.

4. Weniger Geschirrverbrauch. Wenn das Geschirr immer sofort gespült wird, kann ich es auch bei der nächsten Mahlzeit wieder verwenden. Wenn ich erst warten muss, bis die Maschine voll ist (Strom und Wasser möchte schließlich jede_r sparen), brauche ich umso mehr Teller, Tassen, Gläser und Besteck, um auch während der Wartezeit essen und trinken zu können. Das braucht Geld und Stauraum.

5. Wasserverbrauch. Der ist in der Tat umstritten. Es gibt Studien, die zu dem Schluss kommen, eine Geschirrspülmaschine benötige weniger Wasser als der Handabwasch. Ich bin da skeptisch. Denn wurde der Energie- und Wasserverbrauch für die Herstellung der Spülmaschine berücksichtigt? Dass trotz der Maschinenladung auch immer noch Teile zusätzlich per Hand gespült werden? Bei nur leicht verschmutzten Teilen gar kein Spülmittel nötig ist (ergo weniger Wasser und Energie)?

Ich kann nur jedem und jeder von euch empfehlen, mal eine Weile zu versuchen, ohne den Geschirrspüler auszukommen und euer Geschirr immer sofort nach Gebrauch zu spülen.

Das „sofort“ ist wichtig. Direkt nach dem Essen lässt sich der Schmutz noch leicht entfernen und vor allem, wer will schon schmutziges Geschirr in der Küche stehen haben?

Der ästhetische Apekt ist denke ich einer der Hauptgründe, warum Menschen ihr Geschirr sofort wegräumen wollen. Aber warum in den Geschirrspüler und nicht gleich abwaschen und ganz wegräumen?

Es ist ein noch viel angenehmeres Gefühl, das Geschirr sofort versorgt und komplett damit abgeschlossen zu haben.

Keine stinkende Spülmaschine, die ich morgen wieder öffnen muss, um mir ein Glas zu spülen, weil ich kein sauberes mehr habe.

Klingt das nicht wunderbar?

Und meditativ kann Geschirrspülen auch noch sein. Besonders mit obigem Koan. Spült euch zur Erleuchtung :).

Um euch zu zeigen, wie wir das hier so machen, zeige ich euch mal ein Bild von unserer Spüle, wie ich sie gern hätte:

Foto 14.09.14 14 59 29

… und wie sie normalerweise aussieht:

Foto 14.09.14 14 59 13

Sehr ihr den Unterschied? Ja, genau, da liegt dieser hässliche gelbe Spülschwamm. Aus Plastik. Potthässlich und unnötig wie ein Kropf. Aber hey, manche Menschen bei uns im Haushalt lieben es nun mal, mit ihm zu spülen. Also darf er bleiben.

Ansonsten gefällt mir die Ecke schon ganz gut. Wir haben eine Spülbürste aus Holz mit austauschbarem Kopf, die es inklusive 5 Wechselbürsten für rund 5 Euro beim Waschbär gibt. Eine Gemüsebürste aus Holz liegt da auch, die ist aber nicht für den Abwasch bestimmt. Für Angebranntes in Töpfen gibt es die Stahlwolle, die ich leider noch nicht ohne Plastikverpackung gefunden habe. Als Lappen für Geschirr und Oberflächen benutzen wir einen Frotteehandschuh, den ich aus einem alten Handtuch genäht habe.

Spülmittel haben wir noch in einem Plastikbehälter. Das liegt daran, dass ich bisher noch kein Rezept für Spüli finden konnte, mit dem die Macher_innen zufrieden waren. Kennt ihr da eins?

Das war unser minimalistischer Abwasch. Was sagt ihr dazu?

Advertisements

4 Gedanken zu “Minimalistischer Abwasch

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.