Was ich stattdessen mit mir anfange

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Dieser Blog hat ja unter anderem Minimalismus zum Thema. Doch meistens veröffentliche ich kleinere und größere DIYs. Diese Experimente kann ich wiederum nur durch meinen minimalistischen Lebensstil alle durchführen. Und damit schließt sich der Kreis.

Ein minimalistischer Lebensstil ist kein Selbstzweck. Zwar hat ein Experiment a la „Kann ich nur mit x Gegenständen leben?“ oder „Kann ich für x Wochen ohne Geld leben?“ auch seinen Reiz. Aber der wirkliche Nutzen des Minimalismus liegt in den Möglichkeiten, die er schafft.

Für mich ist Minimalismus die Basis für ein selbsbestimmtes Leben. Ich hinterfrage grundsätzlich ALLES auf seine Notwendigkeit. Das kann manchmal anstrengend sein. Nicht für mich, denn ich bin von Natur aus ein experimenteller Mensch, aber für die lieben, mich umgebenden Menschen.

Dieses Hinterfragen ermöglicht es mir, mich frei zu machen von vorgeblichen Zwängen, die bei näherem Hinschauen gar keine sind. Durch diese Reflexion habe ich mein Verhalten in vielen Bereichen geändert.

Statt ständig kurzfristig aktuelle Nachrichten zu konsumieren, informiere ich mich über Themen, die mich interessieren, sodass ich langfrisitig dazu lerne und mich weiterentwickle.

Statt mich durch Fernsehen, Zeitschriften und auf Veranstaltungen von Werbung bombardieren zu lassen, schalte ich sie stumm oder am besten gleich aus und verbiete ihnen, mir meine Aufmerksamkeit zu stehlen.

Statt mit meinem Geld immer schneller Konsumgüter aller Art zu kaufen, vom Coffee to go bis zum fünfzehnten T-Shirt, investiere ich lieber in ein Fernstudium oder Kurse, bei denen ich meine Fähigkeiten erweitern kann. Auch Werkzeuge und DIY-Materialien sind gute Investments.

Statt in meiner Freizeit auf Verkaufsveranstaltungen aller Art zu gehen (Shopping, Verbrauchermesse, etc.), nutze ich die Zeit, selbst Dinge zu erlernen, mich mit anderen auszutauschen oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen.
Die frei gewordene Zeit investiere ich auch gern in Beziehungen. Sich stressfrei, ohne Termindruck mit lieben Menschen zu treffen und lange Gespräche zu führen ist unbezahlbar.

Auch dieser Blog ist ein Produkt meines minimalistischen Lebensstils. Ich habe schon vorher mehrere  Anläufe unternommen, einen Blog aufzubauen, aber nur durch das grundsätzliche Hinterfragen, wie ich meine Zeit verbringe, war plötzlich genug Zeit da, mich wirklich damit zu beschäftigen.

Dadurch, dass ich mein Geld nur noch für die wesentlichen Dinge ausgebe, ist es mir das erste Mal gelungen, meine Ausgaben zu protokollieren, um ein Budget zu erstellen. Früher bin ich durch die vielen kleinen Ausgaben nie nachgekommen und habe frustriert wieder aufgegeben.

Die minimalistische Sichtweise lohnt sich immer dann, wenn man sich etwas vornimmt und wiederholt daran scheitert. Dann hilft es, die Komplexität des eigenen Lebens zu hinterfragen und sich seine ganz individuellen Prioritäten bewusst zu machen.

Das ist natürlich erst mal (Denk-)Arbeit und auch ich hatte schon Momente, in denen ich nicht wusste, was ich denn nun mit mir anfange, wo ich all die Dinge nicht machen möchte. Aber auch dieses Gefühl der Langeweile ist lehrreich und neue Projekte kommen schneller, als man denkt. Gegen blinden Aktionismus hilft auch Meditation.

Der minimalistische Lebenstil ist bei mir so erfolgreich, dass ich mich dadurch psychisch und physisch besser fühle. Eben selbstbestimmter. Ich bereue nicht so viele Dinge, die mir sowieso nicht wichtig sind und erlebe Erfolge in den Bereichen, auf die ich mich konzentriere.

Wie ist das bei euch? Habt ihr als Minimalist_innen auch schon solche bleibenden Erfolgserlebnisse erzielt? Seid ihr gücklicher? Und die nicht Minimalist_innen: Glaubt ihr, ihr könntet von so einer Neupriorisierung profitieren? Oder ist euch das eher zu anstrengend?

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5 Gedanken zu “Was ich stattdessen mit mir anfange

  1. Ich kenne das Gefühl von Langeweile nicht, weil für mich immer etwas auf meinem Programm steht. Aber Minimalismus hat mein Leben auf jeden Fall sichtlich entspannt und schafft mir den Raum, den ich haben möchte.

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    • Echt, du kennst das Gefühl von Langeweile nicht? Bei mir taucht es immer dann auf, wenn ich von einem zu schnellen Tempo auf ein langsameres runterschalte. Weil ich keine Zeit zu reflektieren und planen habe, während alles Schlag auf Schlag kommt, falle ich dann in ein kurzes Langeweile-Loch. Meist ist das aber in ein paar Minuten wieder vorbei. Neulich habe ich dann meditiert, wodurch ich schnell wieder fokusiert war und wusste, auf was ich Lust habe. Vielleicht hast du ja einfach dein optimales Tempo gefunden.

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      • Das ist vielleicht auch eine Frage der Definition, denn das Tempo wechselt bei mir auch. Für mich bedeutet Langeweile, nicht zu wissen, was man mit seiner Zeit anfangen soll. Das gibt es bei mir aber nicht, weil ich entweder an einem Projekt, an Beziehungen oder mir selbst arbeite. Und zu letzterem gehört auch, dass ich lerne, wann ich Pausen benötige und mir diese auch nehme.

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  2. Hallo Marisa,

    Was ich vor allem positiv wahrnehme: Ich habe nicht mehr dieses „Immer-mehr-wollen“-Gefühl, bin viel häufiger einfach zufrieden. Manchmal verfalle ich aber in alte Denkmuster, dann ertappe ich mich dabei und komme mir blöd vor. Etwa, wenn ich irgendetwas im Internet finde und versuche mir selber einzureden, dass ich das brauche und kaufen sollte.
    Ich mache mir deshalb auch weniger Sorgen, denke nicht immer, dass im nächsten Jahr unbedingt mehr bei meinem Business rumkommen muss. Wäre schön, wenn, aber wenn nicht, isses auch OK.
    Bevor ich mich mit dem Minimalismus beschäftigt habe, habe ich mich durch solche Gedanken viel öfter verrückt machen lassen.

    Viele Grüße
    Pia

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