Jahresbericht 14/15

Während meines Studiums wurde ich durch ein Stipendium gefördert. Mal abgesehen von der finanziellen und der Gut-für-den-Lebenslauf Seite, was das beste am Stipendium, dass ich jedes Jahr einen Jahresbericht schreiben musste, in dem ich das vergangene Jahr bewerten und meine Pläne für das kommende Jahr beschreiben musste. Jetzt, ohne die Kontrollinstanz der Stiftung, wäre ich viel zu faul, jedes Jahr nur für mich einen Bericht zu schreiben. Darum setze ich euch als Kontrollinstanz ein. Aber keine Angst, ich halte mich kurz.

2014 war für mich persönlich ein gutes Jahr.

Ich habe mein Studium beendet. So gern ich Studentin war, so langsam wurde es Zeit, endlich die nächste Stufe zu erreichen. Gegen Ende des Studiums habe ich bemerkt, dass es unter den Studierenden zwei Gruppen gibt, die die das Studienende hinauszögern, soweit es geht, nochmal ins Ausland gehen, Praktikum machen, noch einen Master machen, und die, die das ganze jetzt endlich mal abschließen wollen. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. Das hatte auch maßgeblich damit zu tun, dass…

… ich jetzt endlich mein eigenes Geld verdienen wollte. Was ich jetzt auch tue. Mit Mitte 20 wollte ich endlich finanziell unabhängig von meinen Eltern sein. Irgendwann ist ja auch Schluss.

Ich habe etwas gegründet. Und zwar ein Nähcafé, in dem man sich regelmäßig trifft, zusammen näht und sich austauschen kann. Etwas aus dem Nichts zu gründen, das ohne die eigenen Initiative nicht da wäre, wollte ich schon immer mal. Jetzt hab ichs gemacht und siehe da, war gar nicht so schwierig.

Ich habe meine Doktorarbeit angefangen. Ein Riesenprojekt, vor dem ich Respekt habe und vor dem ich mir gründlich überlegt habe, ob ich es anpacken will. Aber es macht Spaß und ist anspruchsvoll, ich arbeite in einem super Team und bin glücklich mit meiner Entscheidung.

Ich habe ein Fernstudium an der Fernuni Hagen begonnen. Es gibt kaum Themen, die mich nicht interessieren, darum kann ich es nicht bei einem Studium belassen und habe mich entschlossen, im Mini-Teilzeitstudium einen Bachelor in Wirtschaftsinfomatik zu machen.

Meine Pläne für 2015 sind:

Stricken lernen. Schon erfüllt :). Ein Schal ist fertig, das Ziel für dieses Jahr sind ein Paar Socken.

Ein Paper einreichen. Habe ich noch nie gemacht, gehört aber zur wissenschaftlichen Arbeit. Da bin ich mal gespannt.

Drei Klausuren im Fernstudium bestehen.

Eine passende Anlagestrategie finden und Geld anlegen. Das hart verdiente Geld soll ja nicht auf dem Sparbuch versauern.

Das Nähcafé weiterführen.

Ich möchte wieder mit dem Laufen beginnen. Nach meinem Halbmarathon vor 5 Jahren bin ich kaum noch gelaufen. Das soll jetzt anders werden. Wettkämpfe möchte ich keine machen. Mein Ziel ist es, eine Stunde durchzulaufen.

Das sind meine konkreten Pläne für 2015, natürlich spuken in meinem Kopf noch 1000 andere Dinge, die ich lernen, machen und ausprobieren möchte. Die sammel ich auch mal in einer Liste. Dafür gibts aber einen eigenen Artikel.

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Sauerkraut, die Zweite

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Vor ein paar Wochen/Monaten habe ich euch ja schon über unseren gelungenen Sauerkrautversuch erzählt.

Beim zweiten Mal haben wir ein paar Anfängerfehler ausgemerzt, das Kraut stärker geknetet und siehe da, sieht viel sauerkrautiger aus. Die riesige Krautmenge von 2 kg ist zusammengefallen auf 1l.

Leider haben wir kein Vorherbild vom geschnittenen Kraut, daher müsst ihr euch die Menge anhand von diesem Stück vorstellen.

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Das Rezept ist dieses hier mit Meerrettich und Apfel.

Ich war sehr gespannt. Leider hat es mich jedoch überhaupt nicht überzeugt. Durch den Meerrettich schmeckt das Kraut (für mich) immer leicht angegoren. Warm gehts, aber kalt ist es wirklich nicht sehr lecker. Vor allem, da man mit Rotkraut auch so leckere Dinge wie Apfel-Rotkraut machen kann… Eine reine Verschwendung. Aber ein Versuch wars wert.

Wir bleiben ab jetzt beim klassischen Sauerkraut aus Weißkraut, von dem wir auch schon die zweite Charge hergestellt haben und das sehr lecker ist.

 

Das Glück der abflachenden Lernkurve

Kennt ihr mich noch? 🙂 In letzter Zeit war ich nicht sehr aktiv hier auf meinem Blog. Das liegt daran, dass ich gerade meine Doktorarbeit angefangen habe und damit beschäftigt bin, eine steile Lernkurve hinaufzuklettern.

Jedes mal, wenn ich etwas neues beginne, bin ich erstaunt, wie anspruchsvoll die erste Zeit ist. Auch wenn ich wie jetzt das Umfeld kenne und eigentlich nur das spezielle Thema neu war.

Aber das stimmt nur bedingt. Denn auch ein Positionswechsel an sich (von Masterandin zu Doktorandin) bringt andere Aufgaben mit sich, andere Gestaltungsmöglichkeiten. Da muss das Hirn erst mal mit klar kommen.

Denn das Gehirn benutzt ja mit Vorliebe die immer gleich bleibenden Bahnen. Neue anzulegen, dauert länger und kostet Energie. Also bleibt es schön in seiner Komfortzone.

So langsam flacht meine Lernkurve aber Gott sei Dank ab, mein Hirn hat die neuen Bahnen angelegt und es wird wieder gemütlich in meiner neuen Komfortzone.

Was ich zusätzlich gelernt habe, ist, dass ich zu jeder Zeit nur in einem Bereich meines Lebens  außerhalb meiner Komfortzone agieren kann. Sonst wirds zu anstrengend.  Naja, vielleicht gehen auch mal zwei Bereiche, je nachdem wie viel es dabei neu zu lernen gibt. Aber ich merke ziemlich schnell, dass meine Laune in den Keller geht, wenn ich mir zu viel auf einmal vornehme.

Ein typischer Fall von: Der Mensch überschätzt, was er kurzfristig erreichen kann und unterschätzt, was er langfristig erreichen kann. Diese (wissenschaftliche) Erkenntnis halte ich mir immer wieder vor Augen. Sie motiviert mich, meine Komfortzone zu verlassen und ein paar Monate in der unbequemen Position zu bleiben, bis sie gemütlich wird und ich mal wieder erstaunt bin, wie weit ich schon gekommen bin. Das Glücksgefühl, etwas geschafft zu haben, klüger zu sein als vorher, ist auch nicht zu unterschätzen.

Ich glaube, die erste Phase als Neu-Doktorandin habe ich überstanden, die Lernkurve flacht so langsam ab. Darum werde ich wieder Hirnkapazitäten frei haben, um Artikel für euch zu schreiben. Ich freu mich drauf.

Don’t judge

Ich wünsche euch allen einen guten Start ins neue Jahr!

Die Weihnachtsfeiertage mit Verwandtenbesuchen sind rum, auch die vielen Wiedersehenstreffen zwischen den Jahren. Mir gefällt diese trubelige Zeit sehr gut, doch ich kenne auch Menschen, bei denen die Feiertage regelmäßig im Streit enden. Auch wenn es bei uns glücklicherweise noch nie so weit gekommen ist, finde ich die Tage doch auch sehr anstrengend und habe am Ende erst mal genug von sozialer Interaktion.

Mal abgesehen davon, dass ich introvertiert bin und darum Zeit allein brauche, um meine Batterien aufzuladen, glaube ich, dass es noch einen Grund gibt, warum für viele gerade die Weihnachts- und Wiedersehensbesuche so anstrengend sind.

Verwandtschaft besteht in der Regel aus Menschen in unterschiedlichen Lebensabschnitten, mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Trotz aller genetischen Nähe ist die Verwandtschaft doch heterogener als der aktuelle Freundeskreis.

Genauso sieht es bei den Widersehensfeiern aus, sei es der Abijahrgang, die Studienkollegen, alte Weggefährten. Man sieht sich vielleicht einmal im Jahr, wenn überhaupt, lebt sonst in unterschiedlichen Städten, hat unterschiedliche Ideen von einem guten Leben, hat sich vielleicht sogar weit auseinandergelebt.

Diese Konstellation bringt natürlich Gespräche mit sich, bei denen die gemeinsame Basis sehr dünn ist. Das kann einerseits sehr interessant werden, wenn man aufgeschlossen für andere Ideen ist, sodass wirklich neues Wissen auf beiden Seiten generiert wird.

Meistens ist das jedoch nicht der Fall, sodass die Gespräche abgleiten in ein permanentes Verteidigen der eigenen Werte, ohne wirklich einen Mehrwert daraus zu ziehen. Verkürzt könnte ein Dialog etwa so aussehen:

A: „Mir gefällt die Farbe rot am besten und ich überlege mir gerade, welche Schattierung wohl die beste wäre.“
B: „Was hast den du für seltsame Ideen? Grün ist die einzig wahre Farbe!“
A: „Aber ich mag rot eben gern und möchte darum auch meine Wand rot streichen.“
B: „Rot käme bei mir nicht in die Wohnung. Das wirst du irgendwann auch verstehen.“
A: „Du hast einfach keinen Geschmack. Rot ist das neue Grün, das macht man jetzt so.“
usw…

Anstatt über die Schattierung von Rot zu sprechen, was A weitergeholfen hätte oder kurz und knapp zu sagen, dass man zu dieser Diskussion nichts beitragen kann, weil man Grün lieber mag, um dann ein anderes Gesprächsthema vorzuschlagen, greift B die grundsätzliche Einstellung von A an.

Beide verwenden Energie, um ihre Einstellung zu untermauern, weitergebracht hat sie das Gespräch aber am Ende nicht. Das ermüdet. Und trotzdem sähen viel Transkripte von Gesprächen wohl genauso lächerlich aus wie das obige.

Wie viel leichter, angenehmer und produktiver wäre es, wenn wir dem Gesprächspartner erst einmal vollstes Vertrauen entgegenbringen würden und ihm zutrauen, dass dieser sich schon etwas bei seinen Überlegungen gedacht hat?

Meistens ist das nämlich der Fall und man bekommt die Gelegenheit, an fremden Gedankengängen teilzuhaben, was sehr interessant und lehrreich sein kann.

Aber ich glaube, viele fühlen sich bedroht, wenn ihr Gegenüber  fremde Ideen äußert. Befürchten einen Angriff auf ihr Lebensmodell. Und starten darum präventiv schon mal einen Angriff auf ihr Gegenüber. So werden neue Ideen im schlimmsten Fall im Keim erstickt. Im besten Fall nur das Gespräch. Schade ist beides.

Darum wäre doch ein guter Vorsatz für das neue Jahr: Don’t judge. Erst mal nicht (ver-) urteilen. Sondern zuhören und reindenken.

Als kleines Schmankerl zum Schluss, ein paar Youtube-Clips zum Thema „Don’t judge“.