Kerzenwachs-Recycling

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Vielleicht ist es ein Kindheitstrauma, vielleicht habe ich aber auch doch irgendwo eine verschüttete Dekobegabung. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wollte ich unbedingt einmal Kerzen gießen. UNBEDINGT. Obwohl ich meistens sowieso vergesse, die Kerzen dann auch zu benutzen, die wir hier haben…

Alles egal. Aber wenn schon Kerzen gießen, dann muss es natürlich ein Recycling-Projekt sein und darum habe ich Wachs aus alten Kerzenstummel eingeschmolzen. Eingefüllt wurden sie in Gläser von alten Kerzen oder Schraubgläser, bei denen der Deckel verloren gegangen ist.

Anleitungen findet ihr mit einer einfach Google-Suche viele. Ich habe mir ein paar durchgelesen und mir dann aus jeder das beste rausgepickt. Zur Zeit bin ich ein bisschen faul, was ausführliche How-Tos angeht, aber ihr seid ja alle selber groß und schafft das sicher auch ohne mich :). Darum wieder mal nur eine gobe Beschreibung, damit ihr seht, wie einfach das eigentlich ist.

Das Wachs wird zunächst im Wasserbad geschmolzen. Dafür eignet sich am besten eine Dose. Glaubt mir, ihr wollt nachher kein Wachs aus einem Topf rauskratzen. Mir haben schon die paar Tropfen gereicht, die ins Wasser getropft sind und sich sehr hartnäckig am Topfrand festgekrallt haben… In Ermangelung einer Dose habe ich ein Gurkenglas benutzt, was auch sehr gut funktioniert hat.

Das Wachs braucht ca. 20-30 min zum Schmelzen, sodass ihr euch zwischendurch noch einen Tee machen könnt. Wenn das Wachs vollständig flüssig ist, könnt ihr Dochtreste oder anderen Dreck rausfischen. Falls ihr Duftkerzen möchtet, könnt ihr jetzt ordentlich ätherisches Öl ins Wachs kippen.

Den Docht habe ich im Bastelladen gekauft. Man kann den auch aus Baumwollgarn selbst flechten, aber dazu hatte ich keine Lust. Den Docht also in die Mitte des Gefäßes halten und das flüssige Wachs einfüllen. Dann den Docht nochmal ausrichten und mit zwei Schaschlikspießen oder Bleistiften fixieren.

Dann heißt es warten. Nochmal eine Tasse Tee trinken. Eventuell eine Nacht schlafen. Dann noch den Docht kürzen und tadaaaaa: die Recycling-Kerzen sind fertig.

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DIY Apfelessig

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Seit meinem Sauerkraut-Erfolg bin ich ganz Feuer und Flamme fürs Fermentieren und Herstellen von allerlei Essbarem durch coole bio-chemische Reaktionen. Das gute daran ist, dass man das ganze meistens nur vorbereiten und dann warten muss.

So auch beim Apfelessig-Rezept von langsamer leben. Dieses Rezept hat außerdem noch den Charme, dass es eine 1A-Resteverwertung ist, da man nur die Schalen und das Kerngehäuse benutzt. Vom Rest kann man dann lecker Apfelküchle machen *nomnomnom*.

Ich werde das Rezept hier nur grob skizzieren, für eine ausführliche Anleitung und erklärende Fotos könnt ihr ja bei langsamer leben vorbei schauen. Dort gibt es auch viele Tipps und Tricks, auf was ihr achten müsst.

Eigentlich ging es ganz einfach. Anfang Dezember gab es besagte Apfelküchle. Danach wurden Apfelreste in eine große Schüssel mit Wasser gegeben. Nach einer Woche sollte es ein bisschen blubbern, dann können die Apfelreste rausgefiltert werden, denn der Geschmack und der Zucker haben sich nun im Wasser gelöst.

Das Apfel-Wasser wird nun in ein Glas gefüllt und mit einem Tuch abgedeckt an einen warmen Ort gestellt. Jetzt kommen zwei nacheinander und/oder parallel verlaufende Reaktionen zum Einsatz: Zuerst verwandeln Hefen den Zucker zu Alkohol, der dann von Essigsäurebakterien zu Essig verwandelt wird. Diese Prozesse kann man mit der Nase mitverfolgen, denn zuerst riecht das ganze nach Hefe (durch die Hefen, wer hätte es gedacht) und anschließend nach Nagellackentferner (durch die Essigsäurebakterien, die auf Latein Acetobacteraceae, was bestimmt nicht ohne Grund wie Aceton klingt).

Wenn der Geruch von Nagellackentferner verflogen ist, kann man den Essig probieren. Dafür schöpft man die an der Oberfläche entstandene Essigmutter ab. Die Essigmutter ist ein glibberiges Gemisch aus Hefepilzen und Bakterien, unseren fleißigen Helferlein. Und da diese immer noch nicht genug haben, kann man mit der Essigmutter einfach ein neues Essigprojekt starten. Ich habe etwas Roséwein halb/halb mit dem Apfelessig gemischt und das ganze wieder an die Heizung gestellt. Mit etwas Glück gibt es bald einen selbstgemachten Roséweinessig, wie exklusiv :).
(Auf dem Bild ganz oben seht ihr übrigens rechts den angesetzten Weinessig. Links steht ein angesetztes Rote-Beete-Kvass. Darauf bin ich auch sehr gespannt und werde euch berichten.)

Nun aber zur wichtigsten Frage: Wie schmeckt denn der selbstgemachte Apfelessig?

Nun ja, es war mein erster Versuch. Die Biochemie hat alles richtig gemacht, kein Schimmelpilz konnte sich breit machen und es wurde Essig. Schon mal super. Aber meine Habgier stand mir im weg. Ich wollte möglichst viel Apfelessig aus den Apfelresten bekommen und habe darum viel zu viel Wasser dazugegeben. Darum ist der Apfelessig jetzt so dünn, dass ich ihn in Salatsoßen etc. nicht als Essig verwenden kann.

Dafür benutze ich ihn jetzt, wie die alten Römer, um mir mit einem Spritzer Apfelessig mein Wasser aufzupeppen. Das ist lecker und erfrischend. Wobei die winterliche Tee-Saison vielleicht nicht die beste Zeit ist für kühlende Erfischungsgetränke. Egal.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Apfelessig und sehr gespannt auf den Weinessig. In zwei Monaten gibt’s dazu ein Update.

Habt ihr schonmal Essig mit wilden Hefen und Essigsäurebakterien hergestellt? Wie ist das bei euch gelaufen? Und habt ihr Tipps für mich, was ich noch mit meinem dünnen Apfelessig machen könnte?

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Minimalismus und die lieben Finanzen

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Heute möchte ich über ein weiteres Gebiet schreiben, das sich sehr positiv entwickelt hat, seit ich minimalistisch lebe: Meine Finanzen.

Mein Kauf-Nix-Monat im letzten Oktober hat mir die Augen geöffnet dafür, wie oft ich eigentlich meine Geldbörse herauskrame, um etwas zu bezahlen. Das ist wahrscheinlich normal, hier mal ein Kaffee, da eine Postkarte, etc.

Dieses Kleingeld hat mich immer daran gehindert, meine Ausgaben wirklich kontinuierlich aufzuschreiben und auszuwerten. Und das, obwohl ich eigentlich ein Excel-Nerd bin und mir kaum etwas schöneres vorstellen kann, als Zahlen in ein clever ausgetüffteltes Excel-Sheet einzutragen :).

Das minimalistische Geldausgeben im Oktober hat mir also wirklich nur das letzte Hindernis genommen, meine Geldströme mal unter die Lupe zu nehmen. Obwohl die Kauf-Nix-Challenge vorbei ist, bin ich beim dokumentieren geblieben. Und heute nehme ich tagelang meine Geldbörse nicht aus der Tasche. Denn das ganze schöne Klein-Klein hier und da kaufe ich mir nicht mehr. Es ist unnötig, steht nur rum, befriedigt nur ein Bedürfnis, das in 2 Minuten sowieso von allein weg geht (Ich schau dich an, Heißgetränk to go, an dem ich mir die Finger und die Seele wärmen will).

Alle verbliebenen Ausgaben, die nicht von der Haushaltskasse gedeckt sind, notiere ich mir sofort in einer Budgeting-App. Alle Versuche mit Fresszetteln oder Hirn sind in der Vergangenheit schief gegangen. Aber seit Geldausgeben nur noch für wichtige Dinge geschieht, schafft es mein Hirn am Monatsende sogar manchmal, es zu bemerken, wenn eine Ausgabe in der App fehlt. Früher undenkbar.

Am Monatsende kommen alle Ausgaben sortiert nach Kategorie in mein stets-zu-optimierendes Excelsheet, sodass ich sie zusammen mit meinen Fix- und Haushaltskosten auswerten kann.

Ich finde es sehr hilfreich, über die Monate zu sehen, welche Ausgaben wie oft wiederkehren und endlich mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel ich über den Daumen gepeilt jeden Monat für Lebensmittel/Kleidung/Sport/Reisen/… ausgebe.

Das Thema Finanzen nimmt nun mehr Raum bei mir ein, was erst durch Minimalismus möglich geworden ist. Es ist keine lästige Pflicht mehr, sondern etwas, worum ich mich gern kümmere.

Da ich ein neues Thema immer gleich sehr obsessiv angehe, habe ich mich natürlich auch in der Blog-Welt umgeschaut, um zu sehen, was andere interessante Menschen zu dem Thema zu sagen haben.

Am extremsten und darum am faszinierenden sind da natürlich
Mr. Money Moustache (MMM) und Jacob von Early Retirement Extreme (ERE). Einige von euch werden die beiden bestimmt schon kennen. Beide leben in den USA und bloggen darüber, wie sie es in wenigen Jahren geschafft haben, ihre Ausgaben so minimalistisch zu gestalten, dass sie bis zu 80% ihres Einkommens sparen konnten. Ihr Ziel war jeweils, komplett von der Rendite ihres investierten Gelds leben zu können und somit unabhängig von ihrem Lohneinkommen zu werden. Beide haben es geschafft: Jacob allein und MMM zusammen mit seiner Frau, sodass die beiden jetzt mit ihrem Kind von 24.000 $ im Jahr gut leben. Wenn euch das Thema interessiert, rate ich euch, mal ihre Blogs zu besuchen. Es ist sehr spannend.

Die beiden haben außer der persönlichen Freiheit auch jeweils noch andere Gründe für ihren Lebensstil, die sich mit der Minimalismus- und Nachhaltigkeitsbewegung überschneiden. Beide hassen Verschwendung und haben eine große Freude daran, wenn ein selbst ausgedachtes System funktioniert, wofür sie von mir natürlich extra Pluspunkte bekommen. Wofür sich die beiden am meisten erklären müssen, ist, dass ihr „armer“ Lebensstil sie glücklich macht. Das kennen Minimalist_innen auch zu gut. Die beiden Blogs sind außerdem wahre Fundgruben, was DIY, minimalistische Hobbies ohne Zeug, etc. angeht.

Nun habe ich nicht vor, in fünf Jahren „in Rente zu gehen“. Aber der Gedanke, Geld auf der Seite zu haben, um unabhängig(er) zu sein und auch mal Risiken eingehen zu können, der gefällt mir. Ein Swami zu werden klingt für mich nach einem guten Ziel.

Dafür habe ich mit meinen reduzierten Ausgaben und meiner Excel-Liebe schonmal den ersten Schritt gemacht.

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr eure Finanzen eher minimalisiert, damit ihr möglichst wenig damit zu tun habt? Oder seid ihr wie ich gleich voll auf das Thema aufgesprungen?

Ich habe keine Prinzipien

… ist eine Ausspruch von Karl Lagerfeld, dessen ironische Art ich unglaublich unterhaltsam finde. Alle paar Monate mache ich darum einen Karl-Lagerfeld-Marathon, bei dem ich mir alle seine Interviews  auf Youtube reinziehe :). Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Es geht um Prinzipien. In letzter Zeit bin ich immer öfters dazu übergegangen, bestimmte Labels von mir fernzuhalten. Labels wie „Vegetarierin“ oder „öko“ zum Beispiel. Eben als hätte ich keine Prinzipien.

Ich muss dazu vielleicht ein bisschen weiter ausholen. Über die Frage, was richtig und falsch ist, mache ich mir schon Gedanken, seit ich denken kann. Ich finde es intellektuell eine der spannendsten Fragestellungen überhaupt und diskutiere auch sehr gern die Widersprüche, die bei solchen heiklen Themen aufkommen.

Zu den „richtigen“ Dingen gehört natürlich auch der Themenbereich Nachhaltigkeit und alles, was dazu gehört. Nehmen wir zum Beispiel mein Label „Vegetarierin“. Ich habe vor ein paar Jahren beschlossen, dass ich nur noch wenig Fleisch konsumieren möchte (wegen Klimawandel und Welternährung) und ausschließlich Fleisch aus vertrauten Quellen (wegen der Tierhaltung). Nachdem ich dann ein paar unangenehme Gespräche mit Menschen hatte, denen ich anscheinend das Gefühl gegeben hatte, ihr Fleisch sei nicht gut genug für mich, beschloss ich, mir das Label „Vegetarierin“ zu geben. Macht die Sache klarer und einfacher. Es gibt zwar immer noch überproportional viele moralische Gespräche beim Essen, aber nicht mehr so persönliche. Und meine Salami konnte ich mir ja trotzdem noch ab und zu beim Metzger holen.

Ich dachte, ich hätte den sozialen Frieden wiederhergestellt, jede_r tut, was er oder sie für richtig hält und wir haben uns alle wieder lieb. Denkste. Plötzlich war die vegane Ernährung in aller Munde. Auch ich habe sie mal ein paar Tage ausprobiert, mich aber wieder davon abgewendet. Die Erfahrung hat mich aber auf die Problematik von tierischen Produkten aufmerksam gemacht und ich weiß nun, dass Käse statt Wurst eben auch nicht die Lösung ist. Pflanzen sind Trumpf. Aber als Naturwissenschaftlerin bin ich aber überzeugt von der Interdependenz des Ökosystems und den Nahrungskreisläufen und find emoralisch nichts falsch am Verzehr von Fleisch und Käse. Nichts desto trotz kann ich die Argumente von Veganer_innen nachvollziehen und den intellektuellen Hintergrund schätzen.

Nun polarisiert die vegane Ernährung sehr. Und statt sozialem Frieden beim Mittagessen fand ich mich nun immer öfters in Diskussionen über den Sinn und Unsinn von veganer Ernährung. Der Höhepunkt war eine Bekannte eines Arbeitskollegen, die ich nie zuvor gesehen hatte. Nachdem ich mich beim Grillen als Vegetarierin geoutet hatte, hielt sie mir einen Vortrag über die veganen Käse- und vor allem Wurstersatzprodukte und wie unmöglich sie die fand. Es ging in die Richtung, „entweder ganz oder gar nicht“ und ihr implizierter Vorwurf war natürlich, dass Menschen, die von solchen Produkten Gebrauch machen, nur so tun, als wären sie „echte“ Vegetarier/Veganerinnen. Ja, nett, dich kennen zu lernen übrigens.

Ich habe einfach keine Lust mehr. Ich führe kaum noch differenzierte Gespräche über die Widersprüche, die sich beim Versuch, das Richtige zu tun, ein gutes Leben zu führen, auftun. In 99% aller Diskussionen haben sich die Menschen vorher keine Gedanken gemacht und schmeißen einem Moralbrocken hin, die sie irgendwo aufgeschnappt haben.

Dasselbe erlebe ich in der Diskussion um „Chemie“ und Plastik. Chemie ist erst mal eine Naturwissenschaft, die erklären kann, wie die Dinge um uns herum aufgebaut sind (zwar nicht so gut wir Physik, aber immerhin ;-)). Auch sind nicht alle chemischen Inhaltsstoffe böse. Hier ein Beispiel von einer Banane. Da sind sogar E-Nummern drin!!!!11111einself

All natural banana

Auf der anderen Seite bin ich sehr kritisch, was die Verwendung von bestimmten Inhaltsstoffen in Kunststoffen angeht (BPA, Weichmacher, Flammschutzmittel, alles, bei dem wir noch nicht wissen, wie es sich verhält). Das muss besser kontrolliert werden, nicht jedes neue Material darf sofort mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Ich habe lieber Glasgefäße als Tupperdosen. Und ich hasse die Verschwendung von Kunststoffen/Erdöl als Wegwerfverpackungen, wenn Erdöl knapp ist und wir die Kunststoffe für wichtigere Dinge brauchen, wie zum Beispiel in der Medizin.

Aber die Schwarz-Weiß-Diskussion nervt mich.

Und ich lasse mich immer seltener darauf ein. Ich habe meinen moralischen Kompass und ich habe auch eine Meinung. Aber in den 99% der Fälle, in denen jemand nur auf meinen moralischen Widersprüchen herumpicken möchte, mache ich nicht mehr mit.

Mein einziges Argument ist dann: „Ich habe keine Prinzipien.“ Das ist ein Totschlagargument. Niemand kann an meinen Prinzipien zweifeln, wenn ich keine habe. Und ich grinse in mich hinein, während sich die Verwirrung im gerade noch so selbstsicheren Gesicht meines Gegenübers breit macht.