Selbst gemachter Minimalismus

…oder passt Minimalismus mit einem ausgeprägten Hang zum Selbermachen zusammen?

Wenn man so im Netz bei den Minimalist_innen rumschaut, gibt es ganz grob zwei Arten: die, die gleichzeitig auch einen Hang zum Müllvermeiden haben und ein bisschen (oder auch sehr) öko sind und die, die mit ihrem Rucksack um die Welt reisen und dank ihrer neugewonnen Leichtigkeit nun endlich ihren Traumjob ausüben können.

Mir gefallen beide Ausrichtungen, und bei einigen Minimalist_innen überschneiden sich beide Bereiche auch hin und wieder, aber die Hauptmotivation lässt sich doch meist klar in einer der beiden Kategorien finden.

(Soviel dazu, dass man Menschen nicht in Schubladen stecken sollte.)

Ich selbst komme aus der ersten Schublade. Wie die ganzen anderen Leute, die alles Mögliche und Unmögliche selbst herstellen. Oder beim Versuch daran sterben. Jedenfalls könnte man das denken, wenn man von den vielen Versuchen liest, die z.B. in der Zero-Waste-Bewegung gemacht werden, um Einweg-Verpackungen zu vermeiden.

Bei diesen Verrückten fühle ich mich absolut zu Hause. Wie ihr bestimmt in den letzten Artikeln gemerkt habe, bin ich eine leidenschaftliche Selbermacherin. Mir gefällt es, ein gutes Produkt herzustellen. Mit meinen eigenen Händen: Sei es Sauerkraut, Essig, Sauerteigbrot oder Bier (<– Ich bin schon ganz aufgeregt. Heute ist Brautag! Drückt mir die Daumen, dass es was wird :).).

Für das Selbermachen braucht man aber immer Ressourcen, die man dann lagern muss, die also Platz brauchen, was wieder so gar nicht minimalistisch ist. Aus diesem Grund finden manche, Minimalismus passe so gar nicht zu DIY-Fans, andere wie Frau DingDong nehmen diesen Bereich einfach vom Minimalismus aus.

In letzter Zeit habe ich mir einige Gedanke darüber gemacht, wie ich das so halte. Definitiv lasse ich mich durch Minimalismus nicht in meiner Schaffenskraft einschränken. Sobald man das Gefühl hat, sich selbst einzuschränken, sollte man sowieso den fetten roten Notausschalter drücken! Das ist dann weit weg vom befreienden Sinn des Minimalismus.

Trotzdem gestalte ich meine DIYs minimalistisch. Erstens mache ich vor allem Ding selbst, die man essen oder trinken kann. Denn die lösen sich auf eine sehr angenehme Art von selbst wieder auf :). Irgendwann werde ich aber doch mal diesen Schreinerkurs machen…

Viel wichtiger ist darum zweitens: Ich laufe nicht gleich los und besorge mir die volle Must-Have-Premium-First-Hand-Hastenichtgesehen-Ausstattung für jedes DIY, dass ich irgendwo im Netz sehe und UNBEDINGT mal ausprobieren muss.

Ich habe beschlossen, dass ich vor jedem Kauf erst mal in Vorleistung gehen muss. Das heißt, dass ich so lange suche, bis ich Anleitungen finde, wie ich mein neues Baby auch mit einer einfacheren Ausstattung hinbekomme. Vielleicht in einer abgespeckten Version. Und sollte ich doch etwas benötigen sollte, versuche ich, Hilfsmittel zu leihen und Materialien gebraucht zu bekommen.

Erst wenn ich mir sicher bin, dass ich dabei bleibe, schaffe ich mir eventuell Hilfsmittel an. Dann weiß ich aber auch, dass sie mir Freude bringen werden und nicht in der Ecke verstauben und mir ein schlechtes Gewissen machen.

Als unerwarteten Nebeneffekt habe ich erlebt, dass sich der potenzielle Helferkreis erweitert, wenn man erst mal mit etwas angefangen hat und den Leuten um sich herum erzählt, was man so tut. Plötzlich tun sich Keller und Speicher mit wahren Schätzen auf. Mancher Kauf erübrigt sich dann komplett.

Selbermachen ist mein Lieblingshobby. Ich werde damit zwar nie mein gesamtes Hab und Gut in einen Koffer zwängen können, aber dafür habe ich leckeres Brot :). Und vielleicht sogar bald Bier!

Minimalismus hat mir aber auch beim Selbermachen geholfen, meine Käufe und meinen Verbrauch klüger zu gestalten.

Trotzdem ist es mein Traum, einen ganzen Keller für meine Ausstattung und einen kompletten Vorratsraum mit genau den richtigen Lagertemperaturen zu haben.
Hach, wie schön unminimalistisch :).

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4 Gedanken zu “Selbst gemachter Minimalismus

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