Heute back, morgen brau ich,…

…übermorgen hol ich der Königin ihr Kind.
– Rumpelstilzchen

Hui, wenn das die Reihenfolge ist, dann klau ich wohl bald das Royal Baby… aber keine Angst, so schnell werdet ihr keine Schlagzeilen über mich lesen.

Gebacken habe ich aber schon und gebraut auch. Homebrew ist ja gerade in und viele haben’s schon ausprobiert oder kennen jemanden, der’s schon gemacht hat. Auch Brausets werden fleißig verschenkt.

Brausets, pffff, die brauchen wir hier in der Selbermach-Hochburg natürlich nicht. Das ist auch gar nicht nötig, denn mit 683 h Internetrecherche findet man genauso raus, was man alles braucht und die Bestellung im Internet-Braushop deiner Wahl ist dann schnell gemacht.

Und sowieso, alle die behaupten, das lohne sich ja gar nicht… Wie kann man bitte einen Samstag besser verbringen, als 9 h rührend im Zuckerwasserdampf zu stehen, während sich die Küche langsam in eine Sauna verwandelt und die Tapete sich von der Decke löst?? Bitte, nennt mir eine Sache. Na also.

Ok ok, es braucht viel Zeit und viel Recherche, aber dafür darf man dann auch vor allen seinen Freund_innen mit dem eigenen Bier rumspänen :). Und kann mit allen möglichen Fachwörtern um sich schmeißen und mit Kennergaumen jedes Bier beurteilen („Ah, da ist der Hopfen jetzt doch ein bisschen dominant“). Klingt doch super.

Außerdem kann man sein eigenes Bier trinken und coole Etiketten dafür entwerfen.

Da ihr jetzt alle gar nicht warten könnt, selbst unter die Brauer_innen zu gehen, gebe ich euch hier mal einen kleinen Einblick in ein Brauwochenende.

Wichtig: Bevor ihr braut, müsst ihr das beim Zollamt anmelden. Dann bekommt ihr eine ganz offizielle Braulizenz und dürft 200l pro Jahr und Haushalt für den Eigenverbrauch brauen.

Hier der Einkauf. Grundzutat ist natürlich Gerstenmalz, hier gleich in drei Sorten, denn wir wollen auch mal Malzbier brauen.

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So sieht das von Nahem aus:

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Hopfen gibt’s zur besseren Dosierung als Pellets.

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Wie bei jedem guten Experiment wird natürlich Protokoll geführt :).

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Beim Brauen „kocht“ man die Zutaten bei verschiedenen Temperaturen für verschieden lange Zeitintervalle, sodass die gewünschten Reaktionen ablaufen, die nachher in der Summe ein leckeres Bier ergeben –> Biochemie rocks.
Um ein ordentliches Gefäß zu haben, in dem das „Kochen“ stattfindet, haben wir uns einen Einkochautomaten von Weck besorgt.

Hier seht ihr das Brauen aus der Sicht der Brauerin oder des Brauers, nämlich von oben in den Topf hinein.  Um die Temperatur konstant zu halten, muss ständig gerührt werden, wodurch einem_r diese Ansicht mit der Zeit sehr vertraut wird.

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Unser Rezept sieht wie folgt aus:

Einmaischen: Das Malz bei maximal 50°C für 20 min quellen lassen.
Einweißrast: 20 min bei 55°C
Maltoserast: 20 min bei 64°C
Erste Zuckerrast: 40 min bei 72°C
Zweite Zuckerrast: 30 min bei 77°C

Um die Temperaturen zu halten, braucht man ein Thermometer und eine gute Beziehung zum Einkochautomaten. Fluchen hilft meistens nicht, da ist Einfühlungsvermögen gefragt.

Anschließend wird die Maische gefiltert. Man bemerke das antike Milchsieb, das wir für diese Zwecke zweckentfremdet haben. Glücklicherweise komme ich aus einem Winzerdorf, sodass solche Dinge wie ein Gärfässchen quasi zur Grundausstattung gehören. Die Isomatte in der Ecke hatten wir übrigens zum Kochen um den Weckautomat gewickelt, um ihn besser zu isolieren.

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Professionelle Abfüllanlage aka Oli:

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Durch die Maische filtern. Sieht ein bisschen aus wie Frischkornbrei.

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Das pappsüße Malzwasser, das zu diesem Zeitpunkt schon die ganze Küche verklebt hat.

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Da wir nicht nur Süße im Bier haben wollen, geben wir jetzt den Hopfen dazu und kochen das ganze im Weckautomaten sprudelnd für 2h. Falls ihr eure Tapeten abziehen möchtet, wäre danach der richtige Zeitpunkt.

Danach wirds knifflig. Ab jetzt liefern sich Essigsäurebakterien und Hefen ein Rennen, wer das leckere Hopfen-Malz-Gemisch als neuen Lebensraum übernehmen darf. Da wir natürlich wollen, dass die Hefe gewinnt, benutzen wir spezielle Brauhefe, die besonders gut für unsere Zwecke geeignet ist. Außerdem desinfizieren wir alles mit Brennspiritus und heißem Wasser und kühlen das Bier möglichst schnell herunter, sodass etwaige Bakterien wenig Zeit haben, sich breit zu machen.
Sollte die Hefe verlieren, wird das Bier sauer und ungenießbar und alles war für die Katz‘.

Jetzt fehlt mir leider ein Bild, wie das Bier nach einem Tag im Gärtank aussieht. Stellt euch das vor wie oben das Malzwasser, nur mit einer Schaumkrone und abgestorbenen Hefezellen auf der Oberfläche.
Vom ersten auf den zweiten Tag soll nämlich die „Gärung ankommen“, also die Hefen sollen ihre Verstoffwechselung von Zucker in Alkohol und CO2 beginnen. Die Gärung überprüft man, indem man seine Nase in’s  Faß steckt und dann das Gefühl hat, als hätte man ’ne Line Brause in die Nase gezogen (gebt’s zu, die Mutprobe habt ihr als Kind auch mal gemacht 😉 ).

Am dritten Tag wird das Jungbier dann in sterilisierte Flaschen abgefüllt.

Und jetzt kommt der schwerste Teil: Bis das Bier fertig ist, muss es noch fünf bis zehn Wochen in den Flaschen gären.

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In der Zwischenzeit haben wir an unseren Etiketten gefeilt, die sehr ökomäßig mit Milch angeklebt sind.

Und, wie schmeckt’s am Ende? Lecker! Ein bisschen wie eine Mischung aus Weizen und Kölsch mit leichter Kohlensäure.
Die Schaumkrone ist noch optimierbar, da haben wir beim zweiten Versuch auch gleich mal den Prozess optimiert.

So ein Kasten ist aber auch ratzfatz weg :).

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