Lob des Wintergemüses

P1030503

Vor ein paar Wochen war ich in einem kleinen, hippen Restaurant und habe mir ein Gericht bestellt, bei dem als Beilage „saisonales Gemüse“ angegeben war. Ich war sehr gespannt, welches Gemüse serviert und wie es zubereitet werden würde. Immerhin war Februar und der Durchschnittsrestaurantbesucher isst im Alltag eher selten saisonal. Darum müssen sich Restaurants bei Wintergemüse schon etwas einfallen lassen, um es dem Tomaten-und-Paprika-gewöhnten Gaumen schmackhaft zu machen. Ich hoffe dann immer auf eine neue leckere Zubereitungart, die ich in mein Repertoir aufnehmen kann.

Die Vorfreude war also groß und die Realität umso enttäuschender: Das saisonale Gemüse entpuppte sich als mediterranes Gemüse aus Tomaten, Paprika, Zucchini und Auberginen. Ok… Es hatte ja auch niemand von regionalem Gemüse gesprochen…  Auf Nachfrage, wo denn zu dieser Jahreszeit ihre Zucchini angebaut würden, hat der Kellner irgendwas von „Die werden geliefert“ gemurmelt und den Rest des Abends einen großen Bogen um mich gemacht😉.

Das ging also in die Hose. Ich finde es sehr schade, dass sich nicht mehr Restaurants trauen, ihren Kund_innen wirklich saisonales Gemüse zu servieren. Denn dank unserer regionalen Gemüsekiste weiß ich, dass man aus Karotten, Pastinaken, Wirsing, Weißkohl, Rotkohl, Topinambur, Rüben, Rote Beete, Rosenkohl, Grünkohl, Sellerie, Spinat, Kürbis etc. sehr leckere Gerichte zubereiten kann. Ich habe gelernt, dass man auch im Winter frisches Gemüse essen kann, das besser schmeckt als ein bunter Salat mit wässrigen hellgrünen Blättern und hellroten Gewächshaustomaten.

Fast bin ich sogar ein bisschen traurig, dass sie bald vom Speißezettel verdrängt werden. Aber im nächsten Winter kommen sie ja wieder. Und bis dahin genießen wir Bärlauch, Spargel, Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Auberginen,…

Liebt Wintergemüse!❤

Start der Balkongartensaison

Seit Oktober genießen wir den Luxus einer Wohnung mit großem Südbalkon. Natürlich haben wir beim Schreiner in der Familie gleich zwei Hochbeete in Auftrag gegeben, die jetzt endlich bepflanzt werden konnten.

Der Platz in einem Hochbeet ist natürlich begrenzt, aber wir waren überrascht, wie viel man in einer Saison daraus ernten können soll. Als Wissenschaftler_innen bebauen wir das Beet natürlich systematisch, und zwar nach der Square-Foot-Gardening-Methode. Diese Methode teilt ein Stück Garten bzw. ein Hochbeet in 30cm x 30cm große Quadrate („Square foot“), die dann mit einer genauen Anzahl an Samen/Pflänzchen bestückt werden und nach der Ernte direkt wieder bepflanzt werden.

Das hat den Vorteil, dass man nicht in Versuchung kommt, einfach das gesamte Samenpäckchen einzusäen und sich später zu ärgern, dass die Pflänzchen nicht groß werden, weil man es natürlich nicht übres Herz gebracht hat, alle überzähligen Pflänzchen zu pikieren. Oder dass man (aus demselben Grund) plötzlich (!) viel zu viel von einer Gemüsesorte ernten kann und dann den ganzen Gefrierschrank voll Bohnen hat.

Für uns als Gartenneulinge ist es außerdem eine Erleichterung, einem Plan folgen zu können und dadurch leichter den Überblick über die anfallenden Arbeiten zu behalten. Auch im Beet herrscht durch die systematische Einteilung Ordnung, was das Arbeiten erleichtert.

Unsere Hochbeete unterteilen wir in zwölf Quadrate, die wir unterschiedlich bepflanzen.

P1030486

Vor zwei Wochen haben wir die ersten Samen ausgesät: Radieschen, Spinat, Rucola, Petersilie und Bärlauch. Daher sieht das Beet noch recht karg aus, bis auf die Radieschen, die konnten es gar nicht erwarten, zu keimen.

P1030488

Empfindlichere Gewächse wie Gurken, Paprika und Tomaten machen es sich noch drinnen gemütlich.

P1030499

P1030502

Zusätzlich zum Hochbeet bepflanzen wir auch noch Balkonkästen und Töpfe, hauptsächlich mit Kräuter zum Kochen, für Tee und zum dran Schnuppern. Den wenigen, die den Umzug und die widrigen Nord-Ost-Bedingungen in der alten Wohnung überlebt haben, geht es durch die Sonne schon viel besser. Olivenkraut und Thymian wachsen wie verrückt, der eingezwängte Rosmarin hält sich ein bisschen zurück. Die Minze hat einen Topf für sich allein bekommen, was sie uns mit einem Wachstumsschub dankt. Und da es noch 1083 andere Kräutersorten gibt, die ich gern anbauen möchte, wird der Rest am Wochenende auf dem Markt gekauft.

P1030489

P1030493
Wie ihr euch denken könnt, wächst in einer richtigen Heimbrauerei natürlich stilecht auch eine Hopfenpflanze.

P1030492

Wer gärtnert, braucht auch einen Kompost. Darum nehme ich diesen Artikel zum Anlass, euch endlich Bilder von unserer Wurmkiste zu zeigen. Unsere Reihenfolge war nämlich andersrum, denn einen Wurmkompost besitzen wir schon seit zwei Jahren. In der neuen Wohnung ist er in ein zweistöckiges Kistensystem umgezogen und vertilgt jetzt doppelt so viel Bioabfall wie vorher. Auf dem zweiten Bild habe ich sogar einen Wurm erwischt, bevor er sich in die Erdschicht verzogen hat. Seht ihr ihn da rechts unten auf dem Bild? Die weißen Punkte auf den Bananenschalen sind übrigens Kleinstlebewesen, die für die Würmer alles mundgerecht vorkauen. Ich bin jedes mal begeistert, wenn ich die Kiste öffne und quasi zuhören kann, wie der organische Abfall gemampft wird.

P1030494

P1030495

Habt ihr die Gartensaison auch schon gestartet? Kennt ihr die Square-Foot-Methode oder habt ihr ein anderes System, um euren Platz gut zu nutzen? Und habt ihr Erfahrungen mit einem Wurmkompost?

Gläsersegen

Der Frühling ist da! Das steigert meine Laune enorm, auch wenn ich seit einer Weile kränkel und wie ein Schluck Wasser in der Kurve rumhänge. Aber genug gejammert.

Heute will ich euch am großen Gläsersegen teilhaben lassen, der in Form von drei Kisten voll alten Einmachgläsern über uns gekommen ist.

P1030482

P1030480

So langsam haben wir in unserer Wohnung in jedem Zimmer eine Schublade oder ein Regalbrett mit Gläsern😉. Und im Vorratsschrank ist auch fast alles schön in Gläsern untergebracht. Wie man sieht, widersetzen sich insbesondere Süßigkeiten hartnäckig ihrer Befreiung vom Müll.

P1030484

Den gelben 5kg-Sack mit Reis habe ich übrigens im türkischen Supermarkt gekauft. Der Reis ist sehr lecker und wir füllen immer eine kleine Menge in ein Glas ab, damit wir nicht jedes Mal beim Kochen den großen Sack rumwuchten müssen.

P1030485

Neu gekauft habe ich mir fünf von diesen 3/4l-Bügelgläsern, um jeden Tag mein Mittagessen zu transportieren. Die Tupperdosen haben sich mit der Zeit von Tomate und Kürbis verfärbt und ich wollte schon länger neue Transportgefäße besorgen. Für die Bügelgläser habe ich mich entschieden, weil sie die meisten meiner Kriterien erfüllen: Gefäß nicht aus Plastik, zum Einfrieren geeignet, dicht auch beim Transport von Flüssigkeiten, günstig genug, dass ich mir gleich fünf Stück kaufen will. Einziges Manko ist, dass ich die Gefäße wegen des Metallbügels nicht direkt in den Mikrowellenherd stellen kann.

20160219_220112

Leider gibt es nicht mehr für alle alten Gläser Gummidichtungen zu kaufen, da die neuen Ringe nur noch mit Durchmessern von 6 cm,
8 cm und 10 cm hergestellt werden. Aber es sind einige mit 10 cm Durchmesser dabei, sodass ich dieses Jahr endlich mal meinen Plan umsetzen will, im Sommer Tomaten einzukochen. Die restlichen Gläser werden zur Aufbewahrung von trockenen Lebensmitteln benutzt, bei denen es nicht so wichtig ist, dass sie luftdicht gelagert werden.

Was benutzt ihr zum Aufbewahren? Habt ihr auch schon solche Schätze aus Kellern gerettet? Oder habt ihr noch eine andere Verwendung für alte Einmachgläser?

Update: Müllfrei Einkaufen

Heute gibt’s ein Update zum müllfreien Einkaufen. Da hat sich nämlich in den letzten Monaten einiges getan.

Lebensmittel

Hier hat unser Umzug die größte Veränderung gebracht. Wir wohnten schon vorher nur drei Gehminuten von einem täglichen (!) Markt entfernt, aber hingegangen sind wir eher selten. Das hat mich geärgert, denn wirklich erklären konnte ich es mir nicht. Jetzt, wohnen wir fünf Fahrradminuten von einem viel kleineren Wochenmarkt entfernt und decken uns jeden Samstag dort ein. Und zwar WEIL er kleiner ist. Unser alter Markt ist der größte und zentralste der Stadt, auf dem sich auch viele Touristen tummeln oder Leute einfach nur zum Spaß drüber schlendern. Das macht das Einkaufen wegen der Menschenmassen stressig. Außerdem gab es zwar viele, viele Stände, aber zum Beispiel nur einen Bio-Käsestand mit dementsprechend langer Schlange und viel Hektik bei den Verkäufer_innen. Da ist die Hemmung, mal nachzufragen, ob der Käse/Quark/etc. in die eigene Dose gelegt werden kann, dann auch hoch. Auf unserem neuen Markt ist das alles kein Problem und man wird nicht mal schräg angeschaut. Das Highlight schlechthin ist der lose Quark, den man direkt in seine Box gelöffelt bekommt.

P1030483

Unseren Grundbedarf an leckerem Gemüse und Obst bekommen wir in unserer regionale Gemüsekiste einmal die Woche nach Hause geliefert. Leider ist das auch nicht ganz verpackungsfrei, da oft einzelne Positionen in Papier oder bei nassen Dingen (Salat) auch in Plastiktüten verpackt sind.

Zum Transport von nasseren Salaten wie Feldsalat habe ich übrigens immer noch keine gute Alternative zur Plastiktüte gefunden. Ich habe mir überlegt, eine Tasche aus Wachstuch zu nähen. Oder kennt von euch noch jemand eine Alternative?

Als dritte Einkaufsmöglichkeit wollen wir einer FoodCoop beitreten, wo wir hoffen, trockene Grundnahrungsmittel und Dinge wie Öl/Essig ganz ohne Verpackung kaufen zu können. Da warten wir gerade auf Rückmeldung und ich werde auf jeden Fall noch einmal gesondert berichten, wenn die Bewerbung von Erfolg gekrönt ist.

Was sonst noch fehlt holen wir bei Edeka, Rewe oder Denn’s, vorwiegend in Pfandflaschen oder Papiertüten. Hier stellt sich mir immer wieder die Frage: Warum gibt’s Studentenfutter nur in Plastiktüten??

 

Kleidung

Ich habe es endlich mal geschafft, in einen Second-Hand-Laden zu gehen und mir neue Klamotten zu kaufen. Nachdem ich seit November 2014 bis auf Unterwäsche und Socken nichts Neues gekauft habe, waren manche Shirts so langsam wirklich zu abgetragen, um sie weiter zu benutzen. Die Suche nach einem Second-Hand-Laden mit gutem Sortiment war gar nicht so einfach, aber ich bin mit meiner ersten Ausbeute sehr zufrieden. Für eine weiße Bluse und zwei Strickjäckchen habe ich nur 10 Euro bezahlt. Preisschilder waren natürlich auch keine dran, es wurden keine Ressourcen benötigt und das Geld ist für einen guten Zweck. Also eine Win-win-win-win-Situation.
Mein Kleiderschrank ist seit dem letzten Artikel übrigens noch ein Stück minimalistischer geworden, weil ich rigoros nur noch das anziehe, was ich gern trage und nach und nach die ungetragenen Dinge aussortiere. Da wird’s so langsam auch wieder Zeit für ein Update.

 

Alles andere

Ja, alles andere ist schwierig. Gerade fallen mir die Möbel ein, die wir nach dem Umzug noch brauchten. Das war nicht viel, nur ein Schrank, ein Regal und eine Zeile Küchenunterschränke. Wir wollten das eigentlich Second-Hand kaufen, aber nachdem wir uns die Auswahl im Second-Hand-Kaufhaus und auf Ebay Kleinanzeigen ein paar Wochen angeschaut hatten, gaben wir auf. Wir sind beide keine Shopper, die Spaß daran haben, immer den Überblick zu behalten, was gerade im Angebot ist und dann zuzuschlagen, wenn es passt. Darum sind wir dann doch bei IKEA gelandet. Mal abgesehen von der Qualität war das natürlich auch eine Verpackungsschlacht, mit der wir die Papiertonnen unseres Mehrfamilienhauses allein füllen konnten. Und unseren Gelben Sack erst Recht.

 

Fazit

Bei den Dingen für den täglichen Gebrauch sieht’s so langsam echt gut aus. Es macht mir Spaß, immer wieder neue Gelegenheiten zu finden, gute Qualität ohne Verpackung zu finden. Und wenn ich daran denke, wie geschockt ich war, als ich das erste mal meinen ökologischen Fußabdruck berechnet habe und realisiert habe, dass ich im Schnitt jeden Monat ein Kleidungsstück kaufe, bin ich mit meiner jetzigen Entwicklung mehr als zufrieden. Nur das Stöbern auf Flohmärkten und in unsortierten Second-Hand-Läden ist eben nicht so mein Ding. Dafür freue ich mich immer, wenn Leute an mich denken, wenn sie Dinge aussortieren und nachfragen, ob ich das eine oder andere noch gebrauchen kann.

Apfelessig Update und nein, es war keine Essigmutter

Vor längerer Zeit habe ich ja schon nach dem Rezept von langsamer leben Apfelessig angesetzt. Das hat super funktioniert, wie ihr hier nachlesen könnt. Anschließend wollte ich mit Hilfe der Essigmutter einen Weinessig ansetzen, wovon ich euch auch in einem Überschwang an Freude berichtet habe. Tja, da hatte ich mich wohl zu früh gefreut.

Denn das war leider keine Essigmutter, sondern eine Invasion von Kahmhefen. Die schwirren leider auch in der Umgebungsluft herum. Nehmen sie auf dem Essigansatz überhand, riecht der Essig muffig und sollte nicht mehr verwendet werden. Darum musste ich den Weinessigansatz wegschütten.

Eine richtige Essigmutter ist eher eine durchsichtige bis trübe Glibbermasse. In den Flaschen mit dem abgeseihten gelungenen Apfelessig hat sich dann auch jeweils so eine schöne, kreisrunde Essigmutter gebildet. Leider habe ich davon kein Foto.

Ich habe dann noch ein paar Versuche gestartet, mit einer gesunden Essigmutter Weinessig anzusetzen, die waren aber leider nie von Erfolg gekrönt. Auch ein Versuch, aus gekauftem Apfelsaft durch Zugabe einer Essigmutter Essig herzustellen, ging schief. Der Grund war, dass gekauftem Wein und Saft Stoffe zugesetzt werden, damit sie eben nicht zu Essig werden (Schwefel beim Wein zum Beispiel). Das hat ja auch seine Berechtigung, denn normale Menschen trinken Wein wahrscheinlich lieber mit Alkohol als mit Essigsäure… Naja, Pech für mich.

Einen weiteren Versuch würde ich also nur mit ungeschwefeltem Wein versuchen, den man (so habe ich gelesen) direkt beim Weingut vor der Abfüllung bekommen kann. Das ist mir aber zu viel Aufwand, darum bleibe ich erst mal bei der wohlbewährten Apfelessigproduktion.

Die funktioniert nämlich zuverlässig gut. In der Vorweihnachtszeit habe ich nochmal einen Versuch nach dem altbewährten Rezept gestartet und siehe da, keinerlei Kahmhefe-Probleme. Das einfachste und günstigste Rezept ist mal wieder das beste. Darum kann ich euch jetzt auch Fotos von einer echten Essigmutter zeigen.

Diese hier ist schon halb abgesunken:

20160124_114221

Auf der Oberfläche bilden sich schon wieder neue glibbrige Essigmütter. Ist auf dem Bild schwer zu erkennen, aber man wenn man genau hinschaut, erkennt man die Abgrenzungen der einzelnen „Schollen“.

20160124_114314

Nachdem der Essig abgefüllt ist, sieht man schön die Heferückstände, die sich am Boden abgesetzt haben. Erinnert mich stark ans Bier brauen, da sieht der Boden des Gärtanks auch immer so aus (die Schaumkrone bekommen wir übrigens so langsam um einiges besser hin ;)).

20160124_114800

Und hier der abgefüllte Essig. Dieses mal habe ich übrigens weniger Wasser für dieselbe Menge Äpfel genommen und der Essig ist auch stärker geworden. Und da ich zwei Ansätze mit verschiedenen Apfelsorten gemacht habe, kann ich auch bestätigen, dass die Sorte einen großen Einfluss auf den Geschmack des fertigen Essigs hat. Für mich hatte die süße Variante eindeutig einen runderen Geschmack. Aber ich benutze den Essig eigentlich nur für die saure Rinse in meinen Haaren und denen ist der Geschmack ziemlich egal. Also insgesamt wieder mal ein voller Erfolg.

20160124_115115