Der Balkongarten im August

Ruuuuuucola und Tomätchen

Ruuuuuucola und Tomätchen

Hallo meine Lieben,

heute möchte ich euch meinen Balkongarten im August vorstellen. Meine gärtnerische Reise ist eine langsame und stetige. Ich versuche, nach und nach mein Wissen zu erweitern, was hauptsächlich über Versuch und Irrtum funktioniert. Beispiel gefällig?

Der Hopfen sollte eigentlich 4m hoch wachsen und die Wand mit dunkelgrünen Blättern bedecken, bleibt aber dürr und hellgrün? Dann ist der Tiefwurzler wohl nicht glücklich mit dem 30cm tiefen Topf, in den er seine 4m tiefen Wurzeln quetschen muss.

Die Tomaten bekommen unten (!) braune trockene Stellen? Kaliummangel! Da hat wohl jemand das Gießen und Düngen vernachlässigt. (Knowledge Drop: Wenn die braunen Flecken oben auf den Tomaten und auch auf den Blättern sind, handelt es sich um Braunfäule und wird durch zu viel Nässe von oben verursacht.)

Wachstumsstop und gelbe Blätter? Stickstoffmangel. So viel zur Vernachlässigung…

Die Erbsen gehen auch nach der zweiten Aussaat nicht auf? Dann mögen sie wohl den schattigen Platz nicht gern.

Ihr seht, mit jedem Wehwehchen wird man wieder ein bisschen schlauer.

Bodengesundheit finde ich ein spannendes und wichtiges Thema. Welche Nährstoffe braucht der Boden um für welche Pflanzen ideal zu sein? Ist es möglich, auf dem eigenen Balkon einen ökologischen Kreislauf in Gang zu bringen? (Das wäre doch gelacht, andere schaffen das in einem Einmachglas!) Ein erster Schritt ist da auf jeden Fall schon einmal unsere Wurmkiste, in der wir einen Teil unseres Biomülls in wertvollen Wurmkompost verwandeln.

Wurmkompost

Wurmkompost

Um dort hin zu kommen, fehlt mir aber noch einiges an Wissen und Erfahrung. Aufschlauen möchte ich mich jetzt erst mal mit dem Buch Peaceful Gardening. Die Hobbygärtnerin beschreibt anschaulich, wie man den heimischen Garten biovegan beackern kann. Sehr angenehm zu lesen, auch wenn es für meinen Geschmack an der einen oder anderen Stelle noch etwas wissenschaftlicher sein könnte. Und bis es so weit ist, werde ich mich auch noch in verschiedene Arten zu düngen einlesen. Erste Versuche stehen aus, für die ich mir einmal das Blümchenfutter, einen Flüssigdünger und einmal Pimp my Gärtchen, einen festen Langzeitdünger zugelegt habe. Beide sind vegan und für den Bioanbau geeignet. Uuuuund aus dem hippen Berlin. Ganz nach meinem Geschmack.

Peaceful Gardening und Blümchenfutter

Peaceful Gardening und Blümchenfutter

Und hier noch ein paar Fotos von den Evergreens, die einfach funktionieren im Balkongärtchen:

Rote Beete

Rote Beete: Auch die Blätter sind im Salat oder Smoothie sehr lecker!

Urwald

„Der Urwald“: In diesem Kasten wächst alles: Oregano, Minze, Rosmarin Thymian, ab und zu Schnittlauch…

Erdbeeren

Erdbeeren

Olivenkraut, Thymian und Rosmarin

Basilikum und Salbei

Wie läuft’s in euren (großen und kleinen) Gärten?

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Sind wir alle die, die nachher von nichts gewusst haben? Mein Beitrag zur Flüchtlingsdebatte

Heute muss ich außerplanmäßig einen Beitrag zu einem Thema schreiben, das mir in letzter Zeit keine Ruhe lässt.

Flüchtlinge in Deutschland.

Wie schnell die Stimmungslage in den letzten paar Monaten gekippt ist, macht mir Angst. Adam beschreibt in seinem Beitrag gut, wie sich beim Thema Flüchtlinge schleichend die Wahrnehmung der Menschen verschoben hat. Wie Straftaten gegen Flüchtlinge kleingeredet werden, Straftaten von Flüchtlingen hingegen pauschalisiert werden. Wie davon geredet wird, das „auch mal durchgegriffen werden muss“.

Diese Sprache findet man nicht nur bei offen rechtsextremen Menschen, sondern immer mehr in der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Sobald das Thema Flüchtlinge aufkommt, scheint die Empathie wie ausgeschaltet. Eine Abwehrhaltung, ein „Ja, aber…“ erstickt jedes Gespräch, jede Lösungsfindung im Kern. Man will kein Gespräch über die Zustände in den Flüchtlingsheimen, darüber, dass diese Menschen aus perspektivlosen, oft traumatischen und sogar lebensbedrohlichen Situationen hier in eine Atmosphäre der Ablehnung kommen. Man will sich nicht damit beschäftigen. Man will die Flüchtlinge nicht.

Wir wollen die Flüchtlinge nicht. „Unsere Kassen sind leer. Uns werden auch Sozialleistungen gekürzt.“ „Wir mussten auch hart für unseren Wohlstand arbeiten.“ „Was haben die eigentlich jemals für uns getan?“ „Jetzt kommen die und wollen unser Geld. Wir können uns nicht um alle kümmern.“

Ich werde traurig und wütend, wenn ich diese Argumente höre. Kein Mensch, der so argumentiert, hat sich die Zahlen angeschaut. Ist rational zu dem Entschluss gekommen, dass „wir uns das nicht leisten können“. Es gibt genug öffentlich zugängliche Informationen, die belegen, dass Deutschland nicht an der Speerspitze steht, wenn es darum geht, Flüchtlinge aufzunehmen und sich auch nicht mit Ruhm bekleckert, was die Unterbringung und Versorgung der Flüchtliche angeht. Die Schweiz nimmt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr Flüchtlinge auf als Deutschland, gar nicht zu sprechen von den direkten Nachbarländern der Krisengebiete. Wer sich ernsthaft Sorgen macht, ob Deutschland überhaupt in der Lage ist, dem steht das gesamte Internet offen, sich zu informieren. Ich werde darum darauf verzichten, alle Links, die mir in den letzten Wochen in der Timeline und in den Zeitungen über den Weg gelaufen sind, noch einmal rauszusuchen.

Wir müssen uns klar machen, dass es uns in Deutschland verdammt gut geht. Flüchtinge kommen hier her, weil in ihrer Heimat Krieg herrscht und hier bei uns nicht. Flüchtlinge kommen hier her, weil Diskriminierung in ihrer Heimat bedeutet, dass ihre Nachbarn ihnen das Haus anzünden und sie hier „nur“ sozial ausgegrenzt werden. Flüchtlinge kommen hier her, weil sie Talente oder sogar eine Ausbildung haben, es in ihrem Heimatland aber keine Perspektive gibt, mit diesen Talenten zur Gesellschaft beizutragen.

Und auch wenn wir die Kriegsflüchtlinge noch dulden würden, dann jammern wir über die bösen Wirtschaftsflüchtlinge. Dabei ist oft die einzige Chance, in Deutschland bleiben zu dürfen (wenn auch nur geduldet), um Asyl zu bitten. Eine vernünftige Einwanderungspolitik lässt immer noch auf sich warten. Denn Überraschung, wir wollen auch keine Einwanderer. Auch wenn 44% der seit 2011 Eingewanderten einen Hochschulabschluss haben, im Gegensatz zu 24% der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Einwanderung würde Deutschland objektiv gut tun. Stichwort Geburtenrückgang, Rentensystem, Fachkräftemangel etc.

Doch das interessiert uns alles nicht.

Erschreckenderweise interessiert uns auch nicht, dass „Asylkritiker“ Demonstrationen vor Flüchtlingsheimen abhalten dürfen, während (!) Flüchtlinge ankommen. Es interessiert uns nicht, dass „Asylkritiker“ reihenweise Flüchtlingsheime und Scheunen von engagierten Nazigegnern anzünden. Dass sie in den sozialen Netzwerken ungestört hetzen und sich dabei beim Nazi-Wortschatz bedienen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Dass die Politik sich sich mit Ausflüchten um das Thema drückt oder es zur Profilbildung benutzt.

Wo ist die große Empörung? Sind wir alle die, die nachher von nichts gewusst haben? Deutschland ist kein Musterland. Deutschland hat mit seiner Ausländerfeindlichkeit schon einmal vielen Menschen sehr großes Leid zugefügt. Deutschland konnte sich nach dem Krieg nur so schnell erholen, weil die Siegermächte eben nicht sagten „Was haben die eigentlich für uns getan?“. Wir verdanken unseren heutigen Wohlstand nicht nur „harter Arbeit“, sondern vor allem dem Wohlwollen anderer Länder, die für uns gute Startbedingungen geschaffen haben.

Ich könnte hier auch noch ein ganzes Kapitel darüber schreiben, wie sich die „Das Boot ist voll“-Haltung auch in der Greichenland-Debatte wiederfindet, aber das erspare ich euch.

Die Wahrheit ist: Brennende Flüchtlingsheime interessieren uns nicht, weil wir Rassisten sind. Wir wollen keine Flüchtlinge und keine Einwanderer, weil wir ausländerfeinlich sind.

Wir wollen das nicht wahrhaben, denn es ist nicht schön. Lieber suchen wir „objektive Gründe“. Darum wollen wir die Zahlen auch gar nicht wissen, wie wollen uns nicht mit der Thematik beschäftigen, wie vertrauen auf unseren „gesunden Menschenverstand“.

Trotzdem sind wir ausländerfeindlich. Die Symtome sind eindeutig.

Wenn wir das nicht auf uns sitzen lassen wollen, müssen wir aufhören, „Ja, aber“ zu sagen und ganz klar Position dazu beziehen, dass Flüchtlinge hier willkommen sind und wir von der Politik erwarten, dass eine Infrastruktur geschaffen wird, die human mit Flüchtlingen umgeht. Wir müssen Empathie zulassen und sogar einfordern in dieser Debatte. Wir müssen uns empören über Gewalt gegen Flüchtlinge und sie nicht relativieren.

Eine besondere Bitte habe ich an die, die sich mit mir empören über die ausländerfeindliche Stimmung, die Flüchtlinge willkommen heißen, aber bis jetzt noch nicht aktiv waren. Wenn Häuser brennen, reicht es nicht mehr, nur „nicht dafür“ zu sein. Die Stimmungslage ist so stark gekippt, dass wir aktiv werden MÜSSEN. Ob durch Geld- oder Sachspenden, eine Googlesuche „[Deine Stadt] + Flüchtlingshilfe“ bringt dir viele Adressen. Und vor allem müssen wir den Mund aufmachen. Ausländerfeindliche Reden nicht unkommentiert stehen lassen, in den sozialen Netzwerken, im Blog ein Statement abgeben. Nehmt das Thema ernst.

Das Böse triumphiert allein dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen. (Edmund Burke)

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Zum Weiterlesen:

In meinem Büro ist Gutmensch ein Schimpfwort

Jetzt lernen Sie meine Oma kennen – und meine Meinung

Zurück aus der Sommerpause!

sukkulente

Ich bin zurück! Und entschuldige mich erst mal für das plötzliche Verschwinden ohne Vorwarnung. Für ganze zwei Monate. Shame on me.

Irgendwie gab’s nichts mehr zu sagen. Und dann wurde es so heiß und ich musste das letzte bisschen Hirnschmalz, das sich noch nicht verflüssigt hatte, für meine Doktorarbeit hergeben.

Aber jetzt bin ich wieder da und habe neue Ideen.

Ich habe das Gefühl, der Blog ist ein bisschen abgedriftet zu „Schaut mal, was ich Neues ausprobiert habe“ und ich möchte ein bisschen zurück zum Erzählerischen. Denn, Überraschung, jeden Tag neue Sachen zu machen ist anstrengend und so gar nicht minimalistisch.

Und außerdem habe ich auch keine Lust.

Darum werde ich euch wieder mehr von Dingen erzählen, die ich eben bewusst nicht mache und bei denen es beim Ausprobieren geblieben ist. Und vielleicht Ideen öfters wieder aufgreifen und mehr die Entwicklung schildern, statt jedes neue Haarwaschmittel auszuprobieren ;).

Wir werden sehen. Auf jeden Fall habe ich Lust, meine Ideen und meine Entwicklung wieder öfters hier festzuhalten.

PS: Auf dem Foto oben könnt ihr sehen, wie sich eine Sukkulente bedankt, wenn man sie sechs Wochen auf der Bürofensterbank vergisst und dann endlich wieder gießt.

PPS: Eigentlich wollte ich das Foto nur meiner Mama zeigen, von der ich die Pflanze als Ableger bekommen habe. Richtig hübsch, ne?

Schräge Biere

Seit ich unter die Brauerinnen gegangen bin, entwickle kultiviere ich einen leichten Spleen für schräge Biere.

Hier sind meine neusten Funde:

Ganz links ein „Magisch Dunkel“, das in der Vollmondnacht gebraut wurde. Kennt jemand die Vorteile von nächtlichen Brausessions bei Vollmond? Schmecken tut’s auf jeden Fall, ich mag aber generell dunkle Biere.

In der Mitte sehr schick das „Gepflegte Pils“. Ja, so sieht er aus, der Mann mit Zylinder. „Jetzt wäre doch genau der richtige Moment für ein Gepflegtes Pils“, könnte ich ja auch wirklich sehr gut in meinen Alltag integrieren. Nur leider schmeckt’s halt wie Pils. Also nicht.

Abgehängt auf dem dritten Platz der Mann mit der braunen Weste auf dem Hellen. Fast schon langweilig gegenüber den anderen beiden. Da hab ich auch glatt vergessen, wie’s schmeckt. So überragend kann’s ja dann nicht gewesen sein.

Bei den anderen beiden Bieren ist auch die Flasche schicker. Und in die könnte man ja auch Selbstgebrautes abfüllen. Immer lecker.

Foto 03.05.15 20 30 09

Das Glück der abflachenden Lernkurve

Kennt ihr mich noch? 🙂 In letzter Zeit war ich nicht sehr aktiv hier auf meinem Blog. Das liegt daran, dass ich gerade meine Doktorarbeit angefangen habe und damit beschäftigt bin, eine steile Lernkurve hinaufzuklettern.

Jedes mal, wenn ich etwas neues beginne, bin ich erstaunt, wie anspruchsvoll die erste Zeit ist. Auch wenn ich wie jetzt das Umfeld kenne und eigentlich nur das spezielle Thema neu war.

Aber das stimmt nur bedingt. Denn auch ein Positionswechsel an sich (von Masterandin zu Doktorandin) bringt andere Aufgaben mit sich, andere Gestaltungsmöglichkeiten. Da muss das Hirn erst mal mit klar kommen.

Denn das Gehirn benutzt ja mit Vorliebe die immer gleich bleibenden Bahnen. Neue anzulegen, dauert länger und kostet Energie. Also bleibt es schön in seiner Komfortzone.

So langsam flacht meine Lernkurve aber Gott sei Dank ab, mein Hirn hat die neuen Bahnen angelegt und es wird wieder gemütlich in meiner neuen Komfortzone.

Was ich zusätzlich gelernt habe, ist, dass ich zu jeder Zeit nur in einem Bereich meines Lebens  außerhalb meiner Komfortzone agieren kann. Sonst wirds zu anstrengend.  Naja, vielleicht gehen auch mal zwei Bereiche, je nachdem wie viel es dabei neu zu lernen gibt. Aber ich merke ziemlich schnell, dass meine Laune in den Keller geht, wenn ich mir zu viel auf einmal vornehme.

Ein typischer Fall von: Der Mensch überschätzt, was er kurzfristig erreichen kann und unterschätzt, was er langfristig erreichen kann. Diese (wissenschaftliche) Erkenntnis halte ich mir immer wieder vor Augen. Sie motiviert mich, meine Komfortzone zu verlassen und ein paar Monate in der unbequemen Position zu bleiben, bis sie gemütlich wird und ich mal wieder erstaunt bin, wie weit ich schon gekommen bin. Das Glücksgefühl, etwas geschafft zu haben, klüger zu sein als vorher, ist auch nicht zu unterschätzen.

Ich glaube, die erste Phase als Neu-Doktorandin habe ich überstanden, die Lernkurve flacht so langsam ab. Darum werde ich wieder Hirnkapazitäten frei haben, um Artikel für euch zu schreiben. Ich freu mich drauf.